Alfons Feigl - der Softeismann - ein Portrait

Er ist mit seinen 92 Jahren der älteste Marktkaufmann und Schausteller am Straubinger Gäubodenvolksfest, man findet ihn von früh morgens bis spät in die Nachtstunden an seinen Eis-Geschäften, er sitzt auch immer noch an seinen Eismaschinen und bedient freundlich seine Kunden, er baut auf und ab, kümmert sich um Personal und Einkauf und hat stets ein Lachen im Gesicht – die Rede ist vom Straubinger Alfons Feigl. In einem kleinen Portrait wollen wir Ihnen diesen fidelen Mann einmal genauer vorstellen.

Feigls Traum: ein Studium an der Wiener Hochschule für „Welthandel“

Alfons Feigl wurde am 8. November 1922 als zweiter Sohn einer Kaufmannsfamilie in Straubing geboren. Bereits sein Großvater war auf der damaligen Landwirtschaftsausstellung auf dem Straubinger Volksfest mit Landmaschinen vertreten, seinem Vater gehörte u. a. ein „Gemischtwarengeschäft“ in der Rosengasse.

Der Teenager Alfons Feigl wollte aber weder unbedingt in die Fußstapfen seines Großvaters noch seines Vaters treten. Alfons war ein begabter junger Mann und sein großer Traum war es in Wien an einer der angesagtesten Hochschulen für „Welthandel“ zu studieren.

Doch leider sollte es anders kommen. Der zweite Weltkrieg zerstörte Alfons Feigl´ s Traum jäh und er musste 1941 mit 19 Jahren in den Krieg ziehen. Im Gegensatz zu einem Bruder der erst 1948 aus der Gefangenschaft heimkehrte durfte Alfons Feigl bereits 1945 wieder nach Hause zurückkommen. Da sein Bruder - der eigentlich den elterlichen Betrieb hätte führen sollen – 1945 noch in Gefangenschaft saß musste Alfons für ihn „einspringen“. Dies dauerte – wie bereits erwähnt – bis 1948 und im Gegensatz zu heute war es dann für den damals mittlerweile 26jährigen zu spät um zu studieren. Sein Traum als sprachbegabter Welthandelsstudent war dahin. Wie sollte es aber nun weiter gehen? Da sein Bruder den elterlichen Betrieb ab 1948 wieder weitergeführt hat musste für Alfons eine neue Herausforderung gefunden werden.

Und so kam es das er eines Abends mit einem Freund zusammen saß der ihm von einer gewissen Firma „Linde“ erzählte, welche eine „neuartige Maschine“ zur „Steckerleis-Herstellung“ auf den Markt brachte.

Sollte nun das eine Lösung für Alfons zukünftige, berufliche Herausforderung sein? Zuerst schien dem nicht so, denn nachdem Alfons Feigl sich nach dem Preis einer solchen Maschine erkundigte hatte er den Gedanken kurzfristig wieder „verworfen“ – damals waren 10.000 DM einfach zu viel Startkapital und wo hätte er das Geld hernehmen sollen? Ende der 40er Jahre war dies ein kleines Vermögen. Aber der Gedanke ließ ihn nicht los und nach langen Gesprächen mit seinem Vater lieh ihm dieser die 10.000 DM – hinterlegte jedoch sein Haus als Sicherheit bei der Bank.

Erste „Steckerleis-Herstellung“

Somit kam es dann das Alfons Feigl am 1. Mai 1949 beim städtischen Gewerbeamt einen „Betrieb zur Herstellung von Speiseeis“ anmeldete  und baute sich über die Jahre ein kleines Imperium auf. Zunächst produzierte er mit mehreren Angestellten das Steckerleis in kleinen Räumen in der Rosengasse, später dann in der Heerstraße. Zucker, Milch, Eispulver und Aromen waren die Hauptbestandtaten des Eises und die Herstellung war denkbar einfach, aber mühsam. Mit Schneebesen rührte man die Zutaten zusammen, füllte sie in röhrenförmige Behälter und lies sie in einer Wanne mit sogenannter „Kühlsohle“ erkälten. Kurz vorm Härtungsgrad steckten die Frauen dann die „Steckerl“ händisch in das Eis. „Schön gerade mussten die Steckerl immer eingesteckt sein“ erzählt uns Alfons Feigl. Nachdem das Eis komplett „gehärtet“ war tauchte man die Formen kurz in warmes Wasser damit es sich lösen konnte. Eingepackt in Stanniol- oder Wachspapier gab es das Eis dann eben für 10 oder das etwas aufwendigere Eis für 40 Pfennig. Einige Leser werden sich sicherlich noch an das berühmte „Zehnerl-Eis“ erinnern, welches man in vielen Geschäften für 10 Pfennig erwerben konnte. Aber auch Eis mit Schokolade überzogen oder Eis in Waffeln gehörten zum Repertoire der Feigl´s.


Schnell wuchs das „Feigl-Imperium“ und man belieferte dann sogar schon Anfang der 50er Jahre „Eis-Standl“ am Volksfest. Auch die Feigl’ s betrieben einen Eis-Stand am Fest – jedoch noch in sehr primitiver Ausführung. Und so wurde der Betrieb immer größer, es mussten immer mehr Gefriertruhen und Kühltransporter angeschafft werden (mittlerweile belieferte man über 300 Kunden in der Region), da sich sein unternehmerisches Geschick auszahlte und er sogar aufgrund seiner „Italienisch-Kenntnisse“ (er hatte 1938 in Perugia italienisch gelernt - Anmerkung der Redaktion) die Vertretung der italienischen Firma „Motta“ in Niederbayern und der benachbarten Oberpfalz übernahm.

Allerdings drängten sich dann Anfang der 60er Jahre natürlich auch andere, größere Firmen wie Schöller oder Langnese auf den Markt wodurch es für die Feigl’ s immer schwerer wurde, da diese Firmen natürlich aufgrund ihrer Größenordnungen anders kalkulieren konnten. Alfons Feigl verlor dann schließlich irgendwann den „Kampf“ und konnte einfach nicht mehr mithalten. Schweren Herzens musste er seine „Eisproduktion“ 1968 einstellen.
Das Geschäft mit dem Eis ließ ihn aber nicht mehr los und so suchte der nunmehr 46jährige nach einer neuen Herausforderung obwohl er bis dahin zusammen mit seiner Frau Elisabeth 6(!) Lebensmittelgeschäfte im benachbarten Einzugsgebiet und sogar bis in den Raum Deggendorf betrieben hatten.

Neuheit: Softeismaschine

Anfang der 70er Jahre stieß er dann auf eine sogenannte Softeismaschine. Im Gegensatz zum Steckerleis wird Luft in die Eismasse „geblasen“ wodurch das Eis eben „fluffig“ und nicht hart erscheint. Diese Art der Eisproduktion kam wohl – wie so oft – aus Amerika und so schwappte dieser Trend auch nach Europa. „Die Herstellung dieses Eises hat mich damals einfach fasziniert“ erzählt uns Alfons Feigl. Bei der Herstellung benötigt man höhere Temperaturen und eben den Faktor „Luft“ die das Eis locker und leicht macht. Seine Leidenschaft zu Italien war es wohl wieder das sich Alfons Feigl seine erste Softeismaschine bei der italienischen Firma „Carpigiani“ bestellte – und der Erfolg sollte ihm wieder Recht geben. Vielleicht liegt gerade in dieser leichten Konsistenz der Erfolg des Softeises denn nicht nur am Straubinger Gäubodenvolksfest ist es äußerst beliebt.

Der Weg aufs Gäubodenvolksfest

Eisstand mit Beach Bemalung

Wie kam aber nun das Softeis aufs Gäubodenvolksfest? Nun die Familie Feigl hatte nach dem Steckerleisverkauf am Fest später auch noch einen sogenannten „Gemischtwarenstand“ aus dem sie Süßwaren, Bonbons, Tabakwaren, sowie Schokolade, Kekse, Scherzartikel und ähnliches verkauften. Da es leider unzählig vieler solcher Gemischtwarenstände gab, erließ das Festamt Ende der 70er Jahre  einen Beschluss der besagte, dass man eine Konzentration auf nur noch bestimmte Artikel eines Sortiments möchte. Dieser Entschluss kam Alfons Feigl damals sehr entgegen, da er sich ohnehin mehr auf eine Sache konzentrieren wollte und machte dann damals mit der Festleitung einen „Deal“: er würde seinen großen „9 – Meter – Stand mit Gemischtem“ gegen nur noch zwei kleinere Softeisstände mit jeweils 3 Metern eintauschen und somit auch anderen Kollegen Platz machen. Und somit gehören seit 1980 die bekannten Softeisstände, welche dann in späteren Jahren mehrmals wunderschön bemalt wurden zum festen Inventar des Gäubodenvolksfestes.

Auch 2015 wieder Garant für leckeres Softeis

Und auch 2015 zählen die beiden Softeisstände der Familie Feigl noch zu den bei den Besuchern äußerst hoch im Kurs stehenden Geschäften mit den Standplätzen beim Riesenrad, sowie gegenüber der Hafenbar der Familie Stahl. Und auch in der Ostbayernschau ist Alfons Feigl mit seinen Softeisständen vertreten.

Und Alfons Feigl ist auch heute noch aktiv, kümmert sich um Personalfragen, beaufsichtig die Auf- und Abbauarbeiten, sitzt auch gerne selbst noch zwischendurch an seinen Eismaschinen und unterstützt das Volksfestportal sogar noch mit Backstage-Führungen wo er den Teilnehmern äußerst interessante Geschichten erzählt. 2014 war er sogar „Interview-Gast“ in einer Reportage des bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Birgit Fürst, die über einen Kirmesfan berichtete. Äußert engagiert meisterte er die Dreharbeiten und fand sogar Spaß daran, wenn er auch anfangs ein bisserl nervös war, da er selbst nicht so gerne im Rampenlicht steht, eher ruhig und zurückhaltend ist. „Is woas worn“ fragte er dann später unseren Berichterstatter und als der ihm sagte es war Filmreif freute sich Alfons Feigl dermaßen erleichtert, dass er dem kompletten Filmteam auch gleich ein Eis „spendierte“!

Sohn Mathias Feigl

Fast könnte man meinen Alfons Feigl wäre 24 Stunden an seinen Geschäften tätig, aber natürlich steht es ihm auch zu mal ein kleines Päuschen zu machen. Sohn Matthias hilft seinem Vater mittlerweile auch in den Geschäften wo er kann und unterstützt ihn bei allen Tätigkeiten. Und auch er hat die Liebe zum „Eis“ entdeckt, werkelt unermüdlich um das Lebenswerk seines Vaters weiterzuführen.

Stete Investitionen

Die Feigl´s investierten immer in ihre Geschäfte. So ließen sie z. B. Anfang der 90er Jahre ihre alten Holzbuden mit den  „Eis-Mohren“ bemalen, später nochmal mit „Beach-Szenerien“, haben neue (LED-)Schriften anfertigen lassen und auch die Inneneinrichtungen, sprich die Softeismaschinen zollen ständig ihren Tribut! Alfons Feigl fragt die Teilnehmer der Backstage-Tour immer was sie den meinen was so eine „Eis-Maschine“ kostet. Die sind dann immer schockiert wenn sie erfahren, dass EINE Maschine 18.000 Euro kostet und er zwischen 18 und 20(!) dieser Maschinen besitzt. Bestellen müsse er die Maschinen im Winter ein Jahr vorher und 18.000 Euro wäre dann oft auch schon ein Sonderangebot! Nach dieser Aussage hört man oft ein Aufstöhnen der Backstage-Teilnehmer.

Es gäbe noch so vieles von Alfons Feigl zu erzählen und berichten – seine Lebenserfahrung ist einfach mit 92 Jahren enorm, aber wir hoffen wir konnten ihnen diesen lebensfrohen und noch äußerst aktiven Mann einmal ein wenig in unserem Portrait näher vorstellen und vielleicht besuchen sie ihn ja einmal am Straubinger Gäubodenvolksfest, den Chamer Festen oder am Plattlinger Volksfest an einem seiner Geschäfte.

Was ihn jung hält

Auf die Frage unseres Berichterstatters woher sein hohes Alter komme klärt ihn Alfons Feigl folgendermaßen auf: „ich kaue z. B. mein Essen gut, oft über 20x! Das ist für gut den Magen.“ Die jungen Leute schlingen ja alles nur so runter. Das belastet den Magen.“ Ansonsten würde er sich gesund ernähren, ab und zu natürlich mal ein Eis „schlecken“ und seine Geschäfte würden ihn auch fit halten – und so wie Alfons oft am Platz „rumwuselt“ scheint das ja auch zu stimmen!

„Auf´s Sterben warten will ich nicht!“

Auf die letzte Frage „warum er sich das eigentlich noch alle Tage antue“ meinte Alfons Feigl nur kurz: „Soll ich zu Hause sitzen und aufs sterben warten? Das kann ich nicht und meine Geschäfte sind wie Kinder die immer betreut werden wollen!“


Dann hoffen wir, dass seine „Kinder“, seine Ehefrau Elisabeth und Sohn Mathias ihn noch lange brauchen und wüschen Alfons Feigl weiterhin viele schöne und erfolgreiche Jahre am Gäubodenvolksfest und vielleicht auch einmal ein wenig darüber hinaus!

 

Text: Thomas Schmid
Fotos: Thomas Schmid und www.volksfest-straubing.de