Die „Hexenschaukel“ - Einige Runden durch die Hölle und wieder zurück

Wir schreiben das Jahr 1894, wir befinden uns auf dem Münchner Oktoberfest: in diesem Jahr feiert eine neue Attraktion ihre Deutschlandpremiere. Nur ein Jahr zuvor hatte sie ihre Weltpremiere in Amerika. Es handelt sich um eine neue Art einer „Belustigungsanlage“, einer sogenannten „Illusions-Schaukel“. Wir reden von keinem geringeren Fahrgeschäft als von der „Hexenschaukel“.

Damals im Jahr 1894 konnte sich noch niemand ausmalen, was für einen Siegeszug diese neue Art der Belustigung antreten würde. Von da an gastierte die „Hexenschaukel“ nämlich jährlich auf dem größten Volksfest der Welt in der bayerischen Landeshauptstadt – mit Ausnahmen der Kriegsjahre in denen jedoch nirgends Feste stattfanden.

Bereits fünfmal am Gäubodenvolksfest

Nun stellt sich die Frage was dies alles mit dem Straubinger Gäubodenvolksfest zu tun hat? Sehr viel, denn 2016 feierte die „Hexenschaukel“ des Schaustellers Ulrich Keller bereits sein 5jähriges Jubiläum am historischen Teil des Straubinger Gäubodenvolksfestes und hat sich bereits in dieser kurzen Zeit ein sehr starkes Stammpublikum erobert. Im Vergleich zum größten Volksfest der Welt – dem Münchner Oktoberfest - gastiert die Hexenschaukel dort sogar schon seit 40 Jahren!

Ulrich Keller ein „Hobbyschausteller“ – jedoch mit Leib und Seele

Bevor wir aber nun mehr über diese Belustigungsanlage erzählen und was man ihn so alles erlebt eine kurze geschichtliche Einleitung zur „Hexenschaukel“ von Ulrich Keller wie man sie von Straubing´s fünfter Jahreszeit her kennt und liebt: Ulrich Keller ist eigentlich ein „Hobbyschausteller“ – jedoch mit Leib und Seele!

Er arbeitet Hauptberuflich als Theologe in München (Sachgebiet „Drama und Trauer“) und betreibt seine „Hexenschaukel“ quasi als „Ausgleich“ zu seinem sonst eher „düsteren“ Alltagsthema. Die „Hexenschaukel“ hat Ulrich Keller vor Jahren zufälligerweise in einer Scheune in Dingolfing entdeckt und sich direkt in das Geschäft verliebt.

Schnell entschied er sich die „Illusions-Schaukel“ zu erwerben und gleich nach dem Kauf wurde das Geschäft für die „Reise“ umgebaut. Auf nur einen Transport reduziert hat man sich auch bewusst für ein historisches Design entschieden. Aufgrund des Alters des Fahrgeschäftes dauert der Auf- und Abbau etwas länger im Vergleich zu modernen Karussellanlagen auf der Reise da die Hauptarbeiten alle per Hand ausgeführt werden müssen.

Allerdings wird die Hexenschaukel nur noch 2 x im Jahr aufgebaut: einmal in Straubing wo der Aufbau auch mal bis zu 5 Tage dauern kann, da hier auch Wartungs- und Restaurationsarbeiten durchgeführt werden und dann eben noch auf dem Münchner Oktoberfest. Hier funktioniert der Aufbau dann auch schon mal etwas reibungsloser und schneller. Abgebaut wird die „Hexenschaukel“ in der Regel in 2 bis 3 Tagen.

Heimspiel Straubing

Straubing dagegen ist fast wie ein Heimspiel für den Hobbyschausteller Keller und seiner „Illusions-Schaukel“ da er aus dem Straubinger Landkreis stammt. In den Wintermonaten ist die „Hexenschaukel“ in Kirchroth eigelagert, also ebenfalls nicht unweit vom Straubinger Festgelände entfernt.

Was ist die „Hexenschaukel“ eigentlich

Eines kann man auf jeden Fall sagen: die „Hexenschaukel“ ist ein Gesamtkunstwerk für sich! Das Auffallendste dürfte an dem Klassiker wohl die echte bayerische Rekommandage sein, welche ein totales Alleinstellungsmerkmal darstellt und durch Geschäftsführer und Top-„Anlocker“ Bernhard „Bernie“ Schiedeck  mit Leib und Seele verkörpert wird! Mit flotten und gekonnten Sprüchen heizen er und seine Kollegen, in Fachkreisen auch Rekommandeure oder „Ansager“, bzw. an der Hexenschaukel auch „Zungenkünstler“ genannt dem Straubinger Publikum so richtig ein und bringen die Gäste  einerseits zum Lachen, anderseits auch oft zu verlegenen Blicken da sie sich nicht scheuen das Publikum auch gerne mal auf die Schippe zu nehmen – auf eine gekonnt charmant, spaßige und nicht beleidigende Art versteht sich!

Lässt man sich nun auf eine Fahrt oder wollen wir es eher „Höllenritt“ nennen ein, nimmt man zuerst im Inneren des „Käfiges“ Platz. Je nach Körpergröße passen dort bis zu 16 Personen in die Gondel. In früheren Jahren wurde der sogenannte Fahrgastträger per Hand zum Schwingen gebracht – heute geschieht dies natürlich maschinell. Trotzdem benötigt man aber auch heute noch 2 Personen um die „Hexenschaukel“ zu betreiben: zum einen den bereits erwähnten Rekommandeur der die Besucher zum Einsteigen animieren soll und zum anderen den früher so betitelten „Schaukelburschen“ der die Fahrt steuert, überwacht und darauf achtet, dass es keinem Fahrgast die „Looping-Fahrt“ zu wild wird. Während nun die Gondel mit seinen Fahrgästen zu schwingen anfängt und hin- und her schaukelt beginnt sich die „Rolle“ drum herum zu drehen. Durch diese optische Täuschung der menschlichen Sinne meint nun der Besucher eine Looping-Fahrt pur zu durchleben. Dabei sitzt er aber nur gemütlich auf seiner Bank und erlebt gerade die perfekte Illusion! Mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Keller und Bernie Schiedeck durften wir vom Internetportal www.volksfest-straubing.de auch eine kurze Videofrequenz mitfilmen (siehe Zusammenschnitt Video). Erleben und testen MUSS man aber die „Hexenschaukel“ selber denn der Spaßfaktor im Inneren ist unbeschreiblich und die Illusion selbst so einfach wie brilliant!

Einmal Hölle und zurück

Und wie erlebt der Fahrgast die „Hexenschaukel? Nun ja meistens fühlt es sich so an als ob man einige Runden durch die Hölle und wieder zurück fahren würde“ – scherzt Bernie Schiedeck, selbst Religionslehrer seines Zeichens. Aber letztendlich geht probieren über studieren und somit sollte jeder Besucher des Straubinger Gäubodenvolksfestes oder des Münchener Oktoberfestes diese Art der Illusion selbst einmal erleben.

Laut einem Schild an der „Hexenschaukel“ ist diese ohnehin für Schwangere bis zum zwölften Monat, für Körpergrößen bis 4,20 Metern oder Personen bis 100 Kilo geeignet. Ferner dürfen mitfahren: Bandscheibengeschädigte, Träger von Herzschrittmachern, sowie Träger von Budenverdienstkreuzen und Strumpfbandträger. Also kurzum gesagt: jeder kann mitfahren!

Das Team der „Hexenschaukel“

Aber nicht nur die „Hexenschaukel“ selbst ist eine Attraktion für sich selbst, sondern auch die Art des Betreibens ist einzigartig und dermaßen liebevoll und einzigartig. Bernie Schiedeck und sein Team – bestehend aus den Meisterschauklern Linus Fuchs und „Rango“ Matthias Kraml, sowie zur weiteren Verstärkung die Schaukelburschen & Rekommandeure Felix und Constantin - betreiben die „Hexenschaukel“ gekonnt witzig und sympathisch und gerade in den Abendstunden kommt es sogar oft vor, dass Menschentrauben vor dem Geschäft stehen bleiben oder sogar tanzend die Atmosphäre diese Art der Belustigung begleiten! Und genau so muss es auch sein, denn wie nur noch wenige Schaugeschäfte auf der Reise bietet Ulrich Keller´s „Hexenschaukel“ auch Spaß und Unterhaltung für diejenigen Festgäste die sich vielleicht keine Eintrittskarte leisten oder die aus anderen Gründen nicht mitfahren können. Leider gibt es nicht mehr viele „Schau- oder Belustigungsgeschäfte“ die so ein Szenario bieten. Ulrich Keller´s „Hexenschaukel“ tut es – und das verdient einfach nur mal Lob und Anerkennung!


Und eben die Unterhaltung, sowie die lässigen Sprüche zeichnen die „Hexenschaukel“ aus. Bernhard Schiedeck und seine Kollegen wissen genau wie sie ihr Publikum zu einer „Höllenfahrt“ inspirieren können. „Hexenschaukel – eine Fahrt wie die Liebe, die muss man auch erleben, erfahren, erleiden“ oder „der allergrößte Beschiss am Volksfest, aber der funktioniert seit 120 Jahren“ sind nur zwei der Sprüche die man an der „Hexenschaukel“ gelegentlich vernimmt.

Lassen Sie sich doch auch mal "verschaukeln"

Ulrich Keller und sein gesamtes Team der Hexenschaukel würde sich auf jeden Fall freuen Sie einmal begrüßen und „verschaukeln“ zu dürfen – so oder so.

An dieser Stelle bedanken wir uns auch ganz herzlich bei Bernie Schiedeck der sich für die Reportage und das Interview Zeit genommen hat, für die erlaubte Drehgenehmigung, sowie auch für die Durchführung der Backstage-Tour während des Gäubodenvolksfestes 2016 wodurch einige Teilnehmer auch interessante Einblicke hinter die Kulissen der „Hexenschaukel“ werfen durften!

Backstage-Tour am Gäubodenvolksfest

Auch 2016 war es wieder soweit. Bei bestem Volksfestwetter fand die Backstage-Tour von Thomas Schmid vom Internetportal www.volksfest-straubing.de statt. Erleben Sie die Highlights der interessanten Tour mit den verschiedensten Stationen an Fahrgeschäften und Ständen, u.a. auch an der Hexenschaukel. Es gab viele Hintergrundinfos und die eine oder andere Freifahrt.

... und noch ein Video:


Text: Jan Kittner und Thomas Schmid, erstellt: Oktober 2016
Bilder: Jan Kittner und Thomas Schmid
Video 1: Thomas Schweikl, Video 2: Jan Kittner