Die Historie des Gäubodenvolksfestes

© Bild: Schlaf - oktoberfest-live.de

Von einer Heirat und dem Beginn des Oktoberfestes

Am 12. Oktober 1810 heiratete der bayerische Kronprinz Ludwig die Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Aus diesem Anlass wurde auf der „Theresienwiese“ in München für die Bevölkerung ein großes Pferderennen veranstaltet – es war die Geburtsstunde des „Oktoberfestes“.
Auch das junge Kronprinzenpaar war anwesend und erhielt von fünf Paaren, gekleidet als Bauern und Bäuerinnen altbayerischer Gegenden, Blumen überreicht; der Gäuboden und seine Hauptstadt Straubing waren hierbei mit je einem Trachtenpaar vertreten und dadurch besonders ausgezeichnet. Der Kronprinz und spätere König Ludwig I. begrüßte dieses Fest mit „allerhöchstem Wohlgefallen“: „Volksfeste freuen mich besonders. Sie sprechen den Nationalcharakter aus, der sich auf Kinder und Kindeskinder vererbt. Ich wünsche auch, Kinder zu erhalten; und sie müssen gute Baiern werden.“

Landwirtschaftsfeste

Entscheidend für die weitere Gestaltung des Oktoberfestes war der „Landwirtschaftliche Verein“ in Bayern, der sich die Verbesserung der rückständigen Landwirtschaft zum Ziel setzte und durch „Landwirtschaftsfeste“ die Bauern zum Fortschritt anregen wollte. Das Münchener Pferderennen wurde nun jährlich mit einem „Zentrallandwirtschaftsfest“ verbunden, das eine Viehausstellung und –beschau sowie die Prämierung „für die im Vaterlande erzeugten
und erzogenen sowie zu besten Zucht ausgezeichneten Viehstücke, Hengsten, Stuten, Stiere, Kühe, Widder, Schweinsbären und Schweinsmütter“ bot. Nach dem Vorbild des Zentralfestes wurden auch in den einzelnen Kreisen Bayerns Landwirtschaftsfeste abgehalten.

1812 das erste Straubinger Landwirtschaftsfest

Für den „Unterdonaukreis“ – in etwa dem heutigen Regierungsbezirk Niederbayern vergleichbar – fand 1812 die erste derartige Veranstaltung in Straubing statt. In einem Brief schilderte der Generalkommissar des Unterdonaukreises Graf Kreith König Maximilian I. Joseph den „glänzenden“ Erfolg des ersten Straubinger Landwirtschaftsfestes und betonte hierbei die Notwendigkeit einer solchen Veranstaltung gerade in dieser Stadt und nicht in der eigentlichen
Hauptstadt des Kreises, in Passau: „Straubing ist überdies für landwirtschaftliche Erzeugnisse der lebhafteste Markt des Unterdonaukreises; ein großer Teil seiner Bewohner sind selbst Ökonomen.“

Auf den Protest Passaus hin fand das Landwirtschaftsfest von 1814 bis 1818 dort statt, dann einigte man sich auf eine abwechselnde Abhaltung in Straubing und Passau, seit 1839 wurde auch Landshut, seit 1869 Deggendorf in die Festorte mit aufgenommen.

Veränderungen hin zum Volksfest

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts nahmen die Landwirtschaftsfeste immer mehr volksfestartige Züge an – nicht nur das traditionelle Pferderennen, sondern auch Schießwettbewerbe, Kegelscheiben, Ringelreihen, Festzüge, Feuerwerke, Glückshäfen, Wein- und Bierzelte, Ausstellungen landwirtschaftlicher Geräte, Ausstellungen für Geflügel-, Schweine- oder Bienenzucht und Ähnliches mehr ergänzten zudem den Lehrcharakter der Landwirtschaftsfeste.

Seit 1906 "Straubinger Volksfest"

1898 erhielt Straubing überraschend eine Absage für die Ausrichtung des Festes; die Stadt beschloss daher, die Veranstaltung als „Niederbayerisches Volksfest“ künftig im Zweijahresturnus selbst auszurichten. Seit 1906 lud man zum „Straubinger Volksfest“ ein, 1938 wurde der bis heute gültige Name „Gäubodenvolksfest Straubing“ geprägt. Erst seit 1961 findet das Fest mit angeschlossener Ostbayernschau jährlich statt.

Aus den Anfängen von 1812 hat sich inzwischen das zweitgrößte Volksfest in Bayern entwickelt, das etwa 1,3 Millionen Besucher anzieht.

Bildquellen: Repros aus der Festschrift zu 175 Jahre Gäubodenvolksfest, erschienen 1987.

Text: Dr. Dorit-Maria Krenn, Stadtarchiv Straubing

Buch über das Gäubodenvolksfest

A Trumm vom Paradies.
200 Jahre Gäubodenvolksfest Straubing. 1812 bis 2012.
Hardcover-Buch, 552 Seiten
Redaktion: Dr. Dorit-Maria Krenn
Verlag: Cl. Attenkofer Straubing
Preis: 31.80 Euro,
Erhältlich: im Leserservice des Straubinger Tagblattes am Ludwigsplatz in Straubing (bei Bestellung zzgl. Versandkosten) und im Buchhandel
ISBN: 978-3-942742-27-6