Story: 20 Jahre „Top Spin“ in Straubing

Mittlerweile zählt er zu den Karussell-Klassikern schlechthin - die Rede ist vom Top Spin der Bremer Herstellerfirma HUSS Rides. Bereits seit 1991 gehört er zu den Stamm-Beschickern des Straubinger Gäubodenvolksfestes.
Auch zur Jubiläumsveranstaltung 2012 stellt er seine Fahrgäste wieder auf den Kopf. Aber wie funktioniert nun der "Top Spin", welche Technik steckt dahinter und was gibt es sonst noch Wissenswertes über ihn zu erfahren?


Der Name "Top Spin" leitet sich von der eigentlichen Schlagart Topspin beim Tennis ab, nachdem sich der Ball nach dem Abschlag in der Luft stark um die eigene Achse dreht. Bildlich stellen die 2 Türme, bzw. Wassertanks die beiden „Spieler“ dar, die Gondel, bzw. der Fahrgastträger den sich stark um die eigene Achse drehenden Ball. Und so mancher Fahrgast fühlt sich dann wohl auch wie besagter Ball.

Da der „Top Spin“ des Bremer Herstellers (die Produktionsstätten befinden sich mittlerweile in Ungarn) und seine Fahrweise längst den meisten Besuchern des Gäubodenvolksfestes bekannt sein dürfte, hier ein paar andere Informationen.

Bausch's Top Spin - 40 Personen - 18 Meter Höhe - 54.000 Liter Wasser

Die Standard-Version, der Prototyp des "Top Spins" (auch "Top Spin 1" genannt) wurde 1990 für den Münchner Schausteller Rudi Bausch gebaut, der im selben Jahr bereits auf dem Münchener Oktoberfest Premiere feierte. Zuvor gastierte die Familie Bausch nochmals mit ihrem bestens bekannten und beliebten „Looping Star (Ranger)“ auf dem Straubinger Gäubodenvolksfest. 1991 hatte dann der "Top Spin" in Straubing seinen ersten Einsatz und ist seitdem (mit nur zweimaliger Unterbrechung) Dauergast am Gäubodenvolksfest – mit ungebrochener Beliebtheit.

Die bis zu 40 Fahrgäste sitzen in 2 Reihen auf einem ca. 10 Meter langen Fahrgasträger, der bis zu einer Höhe von knapp 18 Metern schaukeln und sich überschlagen kann. Die transportablen Versionen haben eine Grundfläche von 19 x 19 Meter, sowie einen Anschlusswert von 160 Kilowatt Antrieb und ca. 80 Kilowatt Beleuchtung (je nach Ausführung). Links und rechts des Geschäftes befinden sich die beiden bereits angesprochenen Wassertanks mit einem Gesamtvolumen von 54 Kubikmetern (das entspricht 54.000 Liter) Wasser! Der "Top Spin" in der Reiseversion bringt es auf knapp 110 Tonnen Gesamtgewicht.

Kleiner schneller Top Spin Bruder

Seit 1993 gibt es auch die kleine Variante des „Top Spins“, auch „Top Spin 2“ oder „Top Spin Junior“ genannt. Diese Variante verfügt über nur 28 Sitzplätze in 2 Reihen und bringt es auf eine Höhe von ca. 12 Metern. Wer die beiden Anlagen kennt, weiß auch, dass der „Top Spin 2“ aufgrund seines kleineren Radius sich bei der Fahrt auch etwas schneller und wilder überschlägt. So mancher Besucher weiß nach der Fahrt wie sich z. B. ein Handtuch in der Waschmaschine fühlen muss. Da die Überschläge wesentlich kürzer und schneller ausgeführt werden ist die Fahrt für den Körper auch etwas belastender. Anders dagegen beim „großen Bruder“. Aufgrund des größeren Radius – so sagen zumindest viele Fahrgäste – sei der „Top Spin 1“ wesentlich angenehmer zu fahren und auch verträglicher – für Körper und Magen.

Gigantische Version für Freizeitparks

Aber wer HUSS–Rides kennt, der weiß auch, dass es nicht nur kleiner sondern auch noch größer geht. Seit einigen Jahren ist auch noch der „Giant Top Spin“ in der Produktpalette erhältlich – jedoch nur als Parkversion. Dieser „Giant“ bringt es immerhin auf 77 Fahrgäste in 3 Sitzreihen und misst knapp 21 Meter in der Höhe.

Nur 4 mal weltweit: der Suspended Top Spin

Und noch eine Variante ist beim Bremer Hersteller erhältlich: eine sogenannte „Suspended“-Form, also ein Fahrgastträger bei dem die Beine der Besucher frei hängen oder baumeln und somit ein ganz besonders intensives Fahrgefühl erzeugen soll. Diese Variante des „Suspended Top Spins“ gibt es aktuell nur 4 Mal weltweit. Aber deutsche "Top Spin" – Fans brauchen gar nicht so weit zu fahren um auch in den Genuss dieser Variante zu kommen, denn 2007 eröffnete „Talocan“ (der dortige Name dieses Top Spins) mit einer Thematisierung im mexikanischen Stil seine Pforten und ermöglicht nun die rasante Fahrt für 38 Personen Rücken an Rücken! Aber auch „The Crypt“ im bekannten amerikanischen Freizeitpark „Kings Dominion“ ist ein solcher „Suspended Top Spin“. Leider jedoch völlig ohne Dekoration, bzw. Dekorationselementen.

Wasserfontänen und Feuereffekte

Die meisten Reise-, aber auch einige Parkversionen haben sogenannte Wasserfontänen im vorderen Bereich der Anlage, mit dem die Fahrgäste während der Fahrt nass gespritzt werden können. Der "Top Spin" von Rudi Bausch aus München hat sogar noch eine zusätzliche Wasserfontäne in Richtung des Ausgangs – was heißt, dass sich der Fahrgast auch nach der Fahrt nicht zu sicher fühlen sollte! Achten Sie einmal darauf! Ein anderer Effekt kommt z. B. bei stationären Anlagen zum Einsatz, nämlich Feuereffekte wie z. B. beim „Talocan“ im Phantasialand in Brühl bei Köln, oder beim bereits angesprochenen „The Crypt“ im Kings Dominion. Dieser verfügt auch zusätzlich über die bereits erwähnten Wasser-Fontänen um die Fahrgäste ordentlich „nass“ zu machen.

Schwertransporte

Zurück zu den Reiseversionen. Diese werden in der Regel mit 4 Transporten von Platz zu Platz gefahren, wovon der „schwerste“ Transport ca. 55 Tonnen hat. Alleine die Gondel bringt noch satte 16 Tonnen auf die Waage, ebenso wie die 6 Kontergewichte die mit 18 Tonnen zu Buche schlagen. Das Gesamtgewicht der Kontergewichte muss etwas höher berechnet sein, um mit diesen Gewichten praktisch das Gesamtgewicht des Gondelträgers plus der Passagiere (die in der Regel mit 70 Kilogramm pro Person berechnet werden) ausgleichen zu können.

Reise-Top Spins auf Deutschlands Festplätzen

Es würde den Bericht des "Top Spins" sprengen alle bisher gebauten Anlagen hier aufzuzählen, erwähnt seien aber einmal die Reisegeschäfte die noch in Deutschland unterwegs sind:

  • Top Spin 1, Rudi Bausch München, Premiere 1990 des Prototyps am Münchner Oktoberfest
  • Top Spin Fresh, Manfred Zehle, München, Premiere unter Franz Goetzke 1993 dieser Anlage
  • Revolution, Firma Kinzler-Nickel, Premiere 1991, mit neuem Mittelbau 1995
  • Top Spin, Firma Ludewigt, Premiere 1992, einer von 4 betriebenen Top Spin - Anlagen dieser Firma


Von den Top Spin Junior - Anlagen sind in Deutschland noch auf Reisen:

  • Top Spin, Firma Plaenert
  • Top Spin, Firma Kollmann
  • Top Spin No. 1, Firma Scheele
  • Top Spin No. 2, Firma Langhoff

Colorado Rafting - von Soest nach Südafrika

Einer der schönsten und attraktivsten Reise-Varianten des "Top Spins 1" war jedoch wohl der „Colorado Rafting“ der Schaustellerfirmen Franz Bruch und Thomas Schneider. Mit seiner aufwendigen Dekoration im „Wildwasser-Rafting-Stil“ war diese Ausführung wohl die opulenteste seiner Art! Nur 8 Jahre betrieb diese Firma diesen attraktiven Top Spin. Viel zu schnell verließ dieses HUSS-Geschäft die Kirmes-Szene in Deutschland.

Bereits 1998 gab der Colorado Rafting sein letztes Gastspiel auf der Soester Allerheiligenkirmes und Anfang des Jahres 1999 wurde er nach Südafrika verschifft, wo er nun im Freizeitpark „Gold Reef City“ (in der Nähe von Johannisburg) als „Miner´s Revenge“ seine Gäste unter den Besitzern Ben und Edward Schuette auf den Kopf stellt. Von seiner damals so opulenten Aufmachung ist nicht mehr viel übrig und somit ist er auch leider nicht wieder zu erkennen. Thomas Schneider und Franz Bruch waren übrigens die „Erfinder“ der Wasser-Fontänen um der Colorado Rafting die erste Anlage mit dieser „spritzigen Idee“!

Technik - Bremsen - Überschläge - Operator

Zur Technik, bzw. zur Funktionsweise sei vielleicht noch so viel ergänzt, dass die Anlagen mit Elektromotoren betrieben werden und die Gondel kann durch ringförmige am Ende der Trag-Arme gelagerter Drehpunkte mit pneumatischen Bremsen während der Fahrt festgestellt oder gelöst werden. Dieses „Lösen“ der Bremsen vernimmt der Fahrgast oder Zuschauer meist  mit dem bekannten „Zischen“ an der Anlage. In der Folge lassen sich dann so etliche Überschläge mit der Gondel vollziehen. Ein geschickter „Operator“, also die bedienende Person am Schaltpult, kann mit dem richtigen Händchen somit unzählige Überschläge „konstruieren“. Auf eine der Regensburger Mai-Dulten z. B. konnte man damals bei der Firma Goetze am "Top Spin" oft mehr als 40 Überschläge am Stück beobachten, wenn der Operator es darauf anlegte und mit den Fahrgästen „spielte“.

Möglich ist auch ein Betreiben mit einem automatischen Fahrprogramm, welches aber eher bei den stationären Anlagen in Freizeitparks angewendet wird und weniger spektakulär ist, da meist eine Fahrt der anderen gleicht.
Damit die Fahrgäste während der Fahrt nicht „verloren“ gehen, werden sie durch Schulterbügel gesichert, die hydraulisch angesteuert werden. Eine zusätzliche bequeme und sichere Fixierung erreicht ein weiterer Bügel zwischen den Beinen, der sich nach dem Schließen des Schulterbügels auf selbigen drückt um doppelte Sicherheit zu gewährleisten.
Abschließend bleibt zu sagen, dass der "Top Spin" trotz seiner mittlerweile 22 Jahre auf den Markt unumstritten ein sehr beliebtes und zeitloses Karussell ist.

20 Jahre am Gäubodenvolksfest - wir gratulieren und wünschen viel Spaß!

Schauen Sie doch einfach heuer mal bei Karin, Rudi und Peter Bausch beim „Top Spin“ am Straubinger Gäubodenvolksfest vorbei und lassen die Anlage einmal auf sich wirken! Egal ob nun als Fahrgast oder als Zuschauer! Eine interessante Maschine ist das in jedem Fall!

Das Team vom Internetportal www.volksfest-straubing.de gratuliert zum 20-jährigen Jubiläum am Gäubodenvolksfest in Straubing!

Link Tipp:
Video vom "Colorado" Top Spin: http://www.youtube.com/watch?v=uTKawh3oGNM

Facebook:
https://www.facebook.com/pages/Top-Spin-No1/133790703336537

Quellenangaben:
Autor: Thomas Schmid
Bilder: Thomas Schmid
und www.sl-ing-tech.de, www.geering-engineering.com, www.foto-bernhard.de