65 Jahre Familie Judenhofer – Kunz am Gäubodenvolksfest in Straubing

Sie hatten schon immer Traditionsgeschäfte, waren immer Vorreiter in Sachen Fahrgeschäfte und reisen heute mit der größten 2-Stockwerks-Geisterbahn durch das Land – die Rede ist von der bekannten Schaustellerfamilie Judenhofer-Kunz aus München. In einer kurzen Familienchronik möchten wir Ihnen die Familie und deren Geschäfte näher bringen.

Anfänglich eine Zuckerbäckerei

Die um die Jahrhundertwende entstandene Firma Judenhofer etablierte sich anfänglich mit einer Zuckerbäckerei. Aus einer Aktennotiz laut Beschickerliste von 1923 der Wies´n gastierte bereits der „Ossaka Eispalast“ auf dem weltberühmten Volksfest unter Franz Xaver Judenhofer, der unter anderem ab 1918 als Vorstand des BLV tätig war. Bekannt war der Eispalast damals wegen seiner Kokosmakronen und der Bonbons aus eigener Herstellung.

Erste Geisterbahn aus Kriegrestbeständen

1945 stieg dann sein Sohn Karl Judenhofer in das „Geisterbahngeschäft“ ein. Er baute eine Bahn aus Kriegsrestbeständen einer Zuckerbäckerei. Damals wurden die Wagen mit Anlassermotoren aus Flugzeugen angetrieben. Der Gleichstrom dafür wurde aus einem Umformer erzeugt welcher aus einem U-Boot stammte! Bereits zwei Jahre später entstand die „Geisterburg“. Am 3. Juli 1948 erblickte seine Tochter Irene Judenhofer das Licht der Welt – und zwar in Straubing! Stolz erzählt uns Irene Judenhofer von ihrer Zeit in Straubing und das sie eben ein „Straubinger-Kindl“ sei.

Hexenmühle

Karl Judenhofer ruhte sich jedoch nicht auf seinen geschäftlichen Lorbeeren aus, denn unermüdlich tüftelte er an neuen Ideen.

Nach weiteren 5 Jahren entstand die „Hexenmühle“. Mit diesem Geschäft beschickte er nicht nur Plätze in Deutschland, sondern zu seiner Reiseroute gehörten auch Länder wie Schweden, Dänemark und Finnland. Da die ersten Geisterbahnen nur relativ einfache Fronten besaßen, wagte sich Judenhofer 1959 einen Schritt weiter.

1962: die Geisterfahrt

Es entstand die „Geisterfahrt“ mit der ersten plastischen Doppelfassade. Der Fortschritt und die neuen Techniken ließen sich nicht aufhalten, was auch Judenhofer zugute kam.1962 baute er die Bahn um und es entstanden die ersten beweglichen Großfiguren, die seinerzeit eine wahre Sensation darstellten.

1963 erfolgte dann nochmals ein Komplettumbau dieser Geisterbahn, sowie eine weitere Neuerung, denn Karl Judenhofer versuchte sich nun auch in der Sparte Rundfahrgeschäfte und erwarb von der Firma Schwarzkopf die „Caravelle“, die gleichzeitig auch als Wies´n-Neuheit fungierte und mit der dann später sein Sohn und der Bruder von Irene Judenhofer, Franz Xaver reiste. Jedoch hatte man bei diesem Geschäft mit enormen technischen Problemen zu kämpfen, wodurch nur ein Jahr später auch hier ein Komplettumbau folgte.

Ja, die Liebe ...

1966 lernte Irene Judenhofer den „bürgerlichen“ Alexander Kunz kennen – und lieben. Ein Jahr später heirateten die beiden bereits und 1972 erblickte dann ihr Sohn Andreas das Licht der Welt. Judenhofer´s waren aber immer schon Pioniere in Sachen Geisterbahnen und so entstand 1973 die erste von der Firma Zierer in Neuhausen gefertigte Stahlgeisterbahn, bei der Alexander Kunz bereits kräftig mitgeholfen hat und starken Einsatz und Engagement zeigte. Er verfügte vor allem über künstlerische Fähigkeiten, sowie große Erfahrungen als Techniker was gerade in dieser Branche nur vorteilig sein konnte. Für diesen neue Bahn benötigte man bereits einen Kran für den Auf- und Abbau. Die Stahlbahn wurde erstmals mit pneumatischen Figuren ausgestattet, was auf allen Volksfesten eine Neuheit darstellte.

7 Jahre später gestaltete die Familie auch diese Geisterbahn um und es wurden zusätzlich Steuerungen mit Lichtschranken eingebaut.

Hierüber gab es auch einen Dokumentarfilm des bayerischen Rundfunks mit dem Titel: „Dahinter G´schaut“. Am 30. April 1980 verstarb Karl Judenhofer leider nach schwerer Krankheit.

Geister Schloss

Um ständig weiter auf dem neuesten Stand zu sein, entschloss sich die Familie Judenhofer-Kunz 1985 zum Kauf einer größeren Geisterbahn. Von der Firma Fredi Lehmann erwarben sie das auch heute noch bekannte 2-stöckige „Geister Schloss“ mit der im damaligen grün-ton gehaltenen und einzigartigen Fassade. Auch hier blieb am immer am Puls der Zeit in Sachen Veränderungen. 1986 installierte man darin die erste mobile Laseranlage der Welt (ein 8 Watt Argonlaser). Ein Jahr später projizierte man den Laser nach außen auf eine Großbildleinwand und erwarb zusätzlich einen Computer für spezielle Laserfilme und Effekte. 1988 folgte eine Beamershow im Inneren des Geister Schlosses und 1989 trieb dann ein schottischer Schlossherr in lebender Gestalt auf dem Geisterbahnbalkon sein Unwesen.

Mc. Murphy

Wiederum ein Jahr später gesellte sich „Mc. Murphy“ dazu. Dies war eine riesengroße sprechende Figur die mit dem Publikum direkt reden konnte. Mc. Murphy hatte an dem rechten Finger einen Käfig hängen, in dem ein kleines Männlein eingeschlossen war, und welches im Dialog mit Mc. Murphy und dem Volksfestpublikum gesprochen hat. Ab und an sperrte Mc. Murphy auch Besucher in den Käfig und hob sie über das begeisterte Publikum.

Eine kleine Anekdote dazu: Auch die Wies´n – Chefin Gabriele Weißhäupl war schon „Gast“ in Mc. Murphy´s Käfig. Die Großfigur war zeitweise so markant, dass staunende Publikumsmassen die Volksfeststrassen regelrecht “dicht” machten, wodurch Mc. Murphy von den Platzmeistern sogar „angeordnete“ Sprechpausen einlegen musste. 1996 gestaltete dann die Familie Kunz die Bahn in eine Art „Fantasy Style“ um. Die Bahn wurde fortan in einen blutroten Farbton getaucht. Weiter Umbauten in Form von Spiegeleffekten, Wasserspielen und digitalem Ton folgten.

Geisterschloss mit lebenden Geistern

Seit dem Jahre 2004 präsentiert sich das „Geister Schloss“ mit neuen geschlossenen Chaisen wodurch man aus sicherheitstechnischen Gründen die Figuren bis nahe an die Gondeln platzieren und somit einen noch größeren Effekt erzeugen konnte. Weiter hinzu kamen nun wieder echte „lebende Geister“ die sowohl im Inneren des Schlosses, als auch unmittelbar davor ihr Unwesen treiben.

Motorsägen - Spinnen - Geister Akteure

So soll es auch schon vorgekommen sein, dass wie aus dem Nichts ein „Akteur“ mit „furcht erregender Maske“ und laufender Motorsäge auf die Passanten stürmt um diese „einen Kopf kürzer zu machen“! Aber keine Angst: die Motorsäge läuft ohne Kette, aber der Überraschungseffekt ist enorm und kommt beim staunenden und stehenden Publikum gut an. Ein anderer Akteur steht beispielsweise auf der Balkonbalustrade und neckt die verblüfften Besucher mit einer an einer Angel befestigten „Spinne“, die sich bevorzugt beim weiblichen Geschlecht in den Haaren „verbeißt“ – lautes Gekreische inklusive! Spaßfaktor also eindeutig garantiert! Auch im inneren der Bahn „geistern“ und „spuken“ mehrere Gespenster und lehren den Fahrgästen oft das fürchten. Aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, denn die Aktionen sind zum Teil einzigartig - ebenso wie die Masken, welche es in so in der Form und Aufmachung wohl nur am Geister Schloss der Familie Kunz gibt.

Professionelle Masken

Diese Masken schlagen oft in einem vierstelligen Euro – Betrag zu buche, denn diese sind keine billigen Kaufhausmasken, sondern eigens angefertigte Einzelstücke von professionellen Schauspielern und Maskenbildnern! Dennoch garantiert die Familie Kunz immer einen familienfreundlichen Gruselspaß, jedoch auf höchstem Niveau! Trotz aller dieser Aktionen bleibt diese Mack-Bahn eine Familiengeisterbahn ohne Brutalität und ohne Gewaltverherrlichung der Figuren – darauf legt der Juniorchef Andreas Kunz besonders viel Wert!

Und somit blieb und bleibt die Familie Judenhofer – Kunz schon immer am Puls der Zeit und präsentierte zeitlose Familien-Geisterbahnen und Rundfahrklassiker. Weitere Neuerungen und sogar Neuheiten sollen nach Auskunft von Andreas Kunz noch folgen – einiges hat man uns schon verraten, anderes bleibt noch in den Gemäuern des „Geister Schlosses“ verborgen.

An dieser Stelle sei aber schon mal soviel verraten – es wird noch einige „GROSSE“ Überraschungen geben! Sowohl am Geister Schloss selbst, als auch das es noch eine „Odyssee“ oder nennen wir sie einmal „Irrfahrt“ zu etwas Neuem geben wird! Der Besucher kann sich auf jeden Fall freuen – auf das was ist, und was noch kommen wird...

…Wir an dieser Stelle wünschen unseren Lesern weiterhin viele „gruselige“ und dennoch auch vergnügliche Stunden in den Geister- und Abenteuerbahnen der Familie Kunz!

Text: Thomas Schmid
Fotos: Archiv Judenhofer-Kunz, Thomas Schmid