Aug 19 2016

Am Donnerstag war es wieder soweit. Bei bestem Volksfestwetter fand die diesjährige Backstage-Tour statt. 5 Teilnahmekarten für 2 Personen wurden dafür verlost, 5 Karten an die Schnellsten per Anmledung vergeben. Die glücklichen Gewinner erlebten in 4,5 Stunden eine interessante Tour mit Thomas Schmid. Es gab viele Hintergrundinfos und die ein oder andere Freifahrt. Die Zeit verging wie im Flug.

Bei der ersten Station, dem Grillpalast der Familie Haas im historischen Teil, bekamen die Teilnehmer zuerst einen kurzen Überblick über die Geschichte des Volksfestes. 1812 als Landwirtschaftsfest gegründet fand es nur alle 2 Jahre abwechselnd in Straubing und Passau statt. Ab 1837 sogar abwechselnd in Straubing, Passau und Landshut. Ab 1898 fand das Volksfest dann nur noch in Straubing statt. Das Jubiläumsjahr 1912 fiel buchstäblich ins Wasser, denn der Hagen war überschwemmt. Seit dem Jahr 1949 heißt das Gäubodenvolksfest dann auch Gäubodenvolksfest und hatte damals schon 100.000 Besucher. Seit dem Jahr 2012 gibt es den historischen Teil am Volksfest.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (1).jpg

Herr Haas vom Grillpalast erzählte, daß der Grillpalast früher eine Schaubude war und zum Grillpalast umgebaut wurde.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (2).jpg

Weiter gings zum Calypso von Hubert Winheim. Baujahr 1960 und vielen noch von früher bekannt. Das Calypso war am Oktoberfest ein voller Erfolg und ein Vorbild für nachfolgende Karusselle wegen den Drehbewegungen in zwei Richtungen. Von 1995-2010 war das Karussell eingelagert, weil es sehr arbeitsintensiv und eigentlich nicht mehr konkurrenzfähig ist. 2010 zu 200 Jahren Oktoberfest wurde es wieder hergerichtet und wird seitdem immer stärker nachgefragt. Das Calypso wird von außen angetrieben und der Antrieb ist praktisch unkaputtbar. Der Aufbau mit 4 Leuten nimmt 3 Tage in Anspruch, was im Vergleich zu modernen Fahrgeschäften sehr lange ist. Die Freifahrt nahmen alle begeistert an.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (3).jpg

Im Vorbeigehen konnte anschließend ein kurzer Blick in einen alten Schausteller-Wohnwagen geworfen werden.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (4).jpg

Zwischendurch erklärte Thomas den Teilnehmern, wie die hohen Preise am Volksfest zustande kommen. Man muß bedenken, daß die Schausteller einiges zu bezahlen haben, was man als Besucher auf den ersten Blick gar nicht bedenkt. Platzmiete, Transportkosten, Beiträge zur Berufsgenossenschaft, Kredite, Personalkosten, Umsatzsteuer, usw. usw. Vor allem die Transportkosten sind sehr hoch.
Ein Problem sei auch die europäische Sicherheitsnorm DIN 13814. Man versuche, in den Bestandschutz reinzukommen, denn ansonsten gehen Existenzen kaputt. Wenn alte Fahrgeschäfte geprüft und nachgerüstet werden müßten, würde dies enorme Kosten verursachen, die viele nicht zahlen könnten und so kann man wirklich nur hoffen, daß demnächst für die Schausteller entschieden wird.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (5).jpg

Nach diesem etwas ernsteren Thema hatten die Teilnehmer wieder viel Spaß bei Toni Schleifer und einer Fahrt ins Paradies. Die Berg- und Talbahn aus dem Jahr 1939 ist seit 2012 in Straubing dabei und es macht superviel Spaß mitzufahren. Die Bahn war viele Jahre in einem Schuppen eingelagert und befindet sich im Originalzustand. 2003 wurde das Karussell restauriert und wird nun, wenn auch mit begrenzter Drehzahl (früher 13, heute nur 8,5 Umdrehungen pro Minute), wieder betrieben. Bei einem Blick hinter die Kulissen konnten die Teilnehmer noch den Salzwasseranlasser ansehen.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (6).jpg

Als letzte Station im historischen Teil wurde die Hexenschaukel besucht. Berni Schiedeck erklärte, er sei Hobbyschausteller und arbeitet ansonsten als Lehrer. Bevor es noch mehr Infos zur Hexenschaukel gab, durften alle „einmal Hölle und zurück“ erleben. Die Hexenschaukel war früher nur am Oktoberfest (zum 1. Mal 1894) und ist seit 5 Jahren auch in Straubing dabei. Die Sitzbänke im Inneren schaukeln ein wenig und die Trommel außenrum dreht sich. Dadurch hat man das Gefühl, man würde sich überschlagen. Mitfahren kann bei der Hexenschaukel jeder. Die Hexenschaukel, so wie sie jetzt am Volksfest steht, ist etwa 40 Jahre alt und wird mit einem 13,60 m langen Tiefladehänger, der mit Zugmaschine etwa 20 m lang ist, transportiert.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (7).jpg

Eine kleine Stärkung gabs dann bei Melanie´s Crêperie. Melanie Kreis ist seit 30 Jahren selbstständig und bereits seit 20 Jahren am Straubinger Volksfest mit ihren Crêpes vertreten. Sie achtet sehr auf regionale und gute Zutaten und bietet alle 2 Jahre neue Füllungen. Allerdings gehen die Klassiker doch immer noch am besten. Nutella-Banane sei sehr beliebt, neuerdings auch weiße Schokolade. 2 Festangestellte und 4 Aushilfen sind am Stand beschäftigt und 3 Teilnehmer durften sich auch einmal am Crêpes-Machen versuchen, was ihnen auf Anhieb gut gelang.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (8).jpg

Frisch gestärkt ging es weiter zur Kullerbude der Familie Hansla aus Oldenburg, die zum 4. Mal am Volksfest dabei ist. Dieses Geschicklichkeitsspiel stammt aus Amerika und funktioniert komplett mechanisch. Von diesen Spielexoten gibt es nur 5 Stück in Deutschland. In 2 Durchgängen durften die Teilnehmer dann gegeneinander antreten. Wer mit den 9 Bällen die meisten Punkte holte, durfte sich ein Plüschtier aussuchen. Aber alle Teilnehmer bekamen ein kleines Plüschbärchen als Andenken geschenkt.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (9).jpg

Bei einem Stop vorm Riesenrad gab es wieder einige Hintergrundinfos von Thomas, z. B. zum Softeis-Stand von Alfons Feigl. Bis vor 2 Jahren war Alfons Feigl noch jeden Tag am Volksfest vertreten. Heuer wird Herr Feigl 94 Jahre alt! Nach dem Krieg kaufte er für 100.000 DM eine Eismaschine für Steckerleis und begann so, sein Eis-Imperium aufzubauen. Nachdem Schöller und Langnese das Aus für Feigl-Steckerleis bedeuteten, kaufte er sich eine Softeismaschine und das Softeis war von Anfang an ein Renner. Eine Softeismaschine kostet heute um die 18.000 Euro – bei 16 Maschinen sowie 4 Ersatz-Maschinen kann man sich ausrechnen, um welchen Gesamtwert es hierbei geht.


Auch die Zahlen zum Top Spin waren beindruckend. Das Top Spin ist bereits im 26. Jahr dabei. Es hat einen Durchmesser von 21 Metern, ist 18 Meter hoch und der Fahrgastträger wiegt 18 Tonnen. Die beiden Tonnen links und rechts sind mit jeweils 27.000 Liter Wasser gefüllt, haben also ca. 54 Tonnen. Auch zum Riesenrad hatte Thomas noch Zahlen parat: 50 m hoch, 35.000 Brennstellen (Lämpchen), 540 Tonnen schwer und wird mit 50 Transporten transportiert! Allein die Gondeln benötigen 10 Transporter. Deswegen ist dieses Riesenrad auch neben Straubing nur noch in München auf der Wiesn, manchmal noch am Münchner Frühlingsfest und alle paar Jahre auf der Soester Allerheiligenkirmes vertreten.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (10).jpg

Vor dem Daemonium gab es einen kurzen Einblick in die Geschichte der Geisterbahn. Erbaut in den 1980er Jahren wurde natürlich über die Jahre hinweg immer wieder etwas neu gemacht. Man muß den Leuten immer wieder etwas Neues bieten, sonst kommt ja keiner mehr. Zeitweise war die Geisterbahn zusätzlich auch noch eine Abenteuerbahn und hatte verschiedene Namen.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (11).jpg

Nach so vielen Zahlen, Daten und Fakten war wieder eine Stärkung nötig. Beim brandneuen American Diner, dem Stand von Stephan Haimerl, bekam jeder ein Hot Dog und konnte sich von der Qualität und Sauberkeit des Standes überzeugen. Pulled Pork ist bei den Burgern der Renner, erzählte Haimerl, der in der 4. Generation Schausteller ist.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (12).jpg

Weiter gings dann zum Sky Fall von Michaela Goetzke. Juniorchef Stefan Goetzke gewährte einen Blick unter das Fahrgeschäft, zeigte den E-Container und ließ die Teilnehmer sogar ins Fahrpult schauen. Der Sky Fall kostet um die 1,6 Millionen Euro, ist 80 m hoch und hat eine Magnetfallbremse, die nach 3 Sekunden Fall abbremst. Der Turm wiegt 40 Tonnen und ist in 6 Stunden aufgebaut. 24 Personen können gleichzeitig fahren und seit heuer die Aussicht in einer Drehgondel genießen. Die neue Drehgondel wiegt 8 Tonnen und hat den Wert eines Einfamilienhauses! Wer wollte, durfte das Volksfest von oben betrachten und den freien Fall genießen.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (13).jpg

Aber auch diejenigen, die nicht im Sky Fall mitgefahren sind, bekamen noch einen super Blick auf das Volksfest von oben. Letzte Station der Tour war nämlich das Tower Event Center von der Firma Blume. 35 Meter Höhe, 9 Etagen - transportiert mit 12 Transporten. Highlight sind die Aussichtsterrasse und das Skyline Cafe. Aufgebaut werden kann das Tower Event Center in 1,5-2 Tagen, der Abbau dauert 1 Tag. Der Tower ist sogar erdbebensicher und geerdet, also auch Gewitter mit Blitzschlag sind kein Problem.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (14).jpg

Im Skyline Cafe wartete auch schon Andreas Pfeffer, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e. V. (BSM) und Besitzer des Alpenheisl auf die Teilnehmer. Andi Pfeffer ist ein typisches Schaustellerkind und kennt den Hagen in- und auswendig. Straubing ist einer der wichtigsten Plätze in Deutschland, sagte er. Das Metier ist schwierig geworden. Die Schaustellerei ist eine der kostenintensivsten Branchen, die es gibt und das meiste Geld bleibt in der Stadt (Trachtenläden, Hotels, Taxi, usw.) – die Schausteller bekämen am wenigsten davon ab.

Für die 11 Tage Volksfest wurde eine Infrastruktur von ca. 350-450 Millionen Euro hergestellt, machte er deutlich. Man möchte das besondere Flair von Volksfesten erhalten, denn dies sei der Unterschied zu Freizeitparks. Aber es wird schwieriger. Schausteller hätten Investitionen in 7-stelliger Höhe zu tätigen, müssen sich aber jedes Jahr neu um die Plätze bewerben und erfahren mitunter erst sehr kurzfristig, ob sie auf einem Volksfest zugelassen werden. Immer mehr Auflagen und Vorschriften schaffen irgendwann die Schausteller ab. Aber soweit muß und darf es nicht kommen. Andi Pfeffer appellierte an die Teilnehmer der Backstage-Tour auch weiterhin Interesse an Volksfesten zu zeigen und dort ein paar schöne Stunden zu verbringen. Die Schausteller sind mit Engagement und Leidenschaft dabei und freuen sich, wenn die Besucher Spaß haben. Zum Abschluß der zwar langen, aber sehr unterhaltsamen, kurzweiligen und überaus informativen Tour gab es von Andi Pfeffer noch gebrannte Nüsse.

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (16).jpg

 

tl_files/volksfest/images/blog2016/Backstage-Tour 2016 (15).jpg
Gruppenaufnahme der Backstagetour Teilnehmer 2016 mit Thomas Schmid (Tourleiter und Schaustellerexperte, 6. von rechts).


Artikel im Straubinger Tagblatt vom 20.08.2016

Bakcstage_Zeitungsartikel_StraubingerTagblatt

Artikel in der Fachzeitschrift für Schausteller und Marktkaufleute "KOMET"

Ausgabe 09/2016

Bericht im KOMET 10/2016

Video: Backstage-Tour 2016 am Gäubodenvolksfest

 
Danke an TheSesselz für das informative Video!

Zurück

Einen Kommentar schreiben