Das Märchenkarussell der Familie Schottenloher 2012 im historischen Teil des Gäubodenvolksfestes

Jahrelang bekannt und bewährt am Straubinger Gäubodenvolksfest möchten wir Ihnen heute das Märchenkarussell von Janet & Michael Schottenloher einmal genauer vorstellen und Ihnen die Geschichte um dieses wunderschöne Kinderkarussell näher bringen.

Um 1900 - die ersten handgeschnitzten Tiere

Erstbesitzer des Karussells war der oberbayerische Schausteller Paul Schmack. Nach der Reisesaison um 1900 hat Paul Schmack damit begonnen die ersten Tiere per Hand zu schnitzen. Immer wenn es im Winter oder während der Saison die Zeit erlaubte widmete er sich dem Neubau seines Geschäftes. Aufgrund seiner Reisetätigkeit beanspruchte der Bau des Karussells jedoch knapp 2,5 Jahre, weshalb das Märchenkarussell dann anno 1903 zum ersten Mal auf einem Dorf in der Nähe von München aufgebaut wurde. Selbst dann jedoch war es noch nicht komplett, denn die oberen Bilder auf der Dachkante fehlten noch, ebenso wie – der Motor!

Ja richtig gelesen. Zu damaligen Zeiten war es nicht selten, dass Karussells generell keinen Antrieb hatten. Wie aber nun hat Paul Schmack sein Kinderkarussell betrieben? Nun die Lösung lag in sogenannten „Schiebern“. Das waren meist Jugendlich aus dem jeweiligen Dorf, die bei Schaustellern dann Aushilfsjobs angenommen haben. Noch anders als heute waren diese Jobs sehr begehrt und sehr häufig fieberten die Jugendlichen schon Wochen vorher auf diese Jobs hin! Die Bezahlung war ebenso schlicht wie ungewöhnlich: zwei kleine Mahlzeiten und Freifahrten!

Bilder auf der Dachkante

Es dauerte dann noch gute weitere 7 Jahre bis Paul Schmack sein Kinderkarussell vervollständigen konnte. Das war so um 1910. Es folgten die Bilder zum Abschluss der Dachkante und so reiste dann Paul Schmack etliche Jahre mit diesem wunderschönen Eigenbau.

Ab 1930 fiel dann dem Erbauer das reisen immer schwerer, denn das Alter machte sich langsam bemerkbar. Noch im selben Jahr übergibt Paul an seinen Sohn Oskar Schmack der gleich nach der Übernahme dem Karussell eine moderne Note verpasste. Er baute Lichtleisten mit modernen Glühbirnen ein und es erfolgte auch eine Arbeitserleichterung in Form eines eigenen Antriebs, sprich Motors!

Ab 1935 ein eigenes Kassenhäuschen

Da bis dato immer direkt am Karussell „kassiert“, sprich die Fahrkarten am Karussell direkt verkauft wurden, ergänzte Oskar 1935 das Karussell mit einem kleinen Kassenhäuschen, damit die Fahrgäste bereits vor der nächsten Fahrt Karten erwerben konnten.

Gegen 1962 kam das Kinderkarussell dann nach Niederbayern und zwar zu dem in Straubing bestens bekannten Fredi Neufeld. Da das Geschäft bereits in die Jahre gekommen war begann Fredi mit der Modernisierung und beschickte von nun an auch das Straubinger Gäubodenvolksfest.

Neufeld überarbeitete das Märchenkarussell schrittweise und tauschte z. B. die alten Holzlichtleisten gegen die damals hochmodernen Neonröhren aus. Auch erneuerte er die wichtigsten tragenden Teile und lies neue Trichter- und Plafonbilder erstellen und mit „Märchenerzählungen“ bemalen.

Allerdings gab es auch einige Probleme, denn nach den vielen Jahren machte der alte Holz-Mast Schwierigkeiten den Fredi dann durch einen Stahl-Mast ausgetauscht hat. Neufeld nutze auch gleich die Gelegenheit und erneuerte den alten Zahnkranz am oberen Drehkranz und ersetzte auch gleich die Keilriemenscheibe. Da das Karussell immer noch mit einer Seilzugbremse gestoppt wurde, modernisierte Neufeld auch gleich diese noch und fortan wurde das Märchenkarussell von einer Hydraulikbremse neuester Bauart gebremst und sicher zum Stand gebracht.

Mehr als 30 Jahre im Betrieb von Fredi Neufeld

1966 war dann die Renovierung komplett abgeschlossen und Fredi Neufeld lies ein neues Baubuch erstellen. Weiter konnte man das schöne Karussell auf namhaften Veranstaltungen wie dem Straubinger Gäubodenvolksfest, sowie dem Regensburger Christkindlmarkt entdecken. Aber auch auf anderen Festen in seiner Heimatregion traf man das kleine Schmuckstück oft an!

Fredi Neufeld ging aber auch nach wie vor mit der Zeit und modernisierte das Karussell immer wieder im Laufe der Zeit. 1980 z. B. war die Zeit der Neonröhren vorbei. Neufeld erkannte den Stilbruch und ersetzte die Neonröhren wieder durch geschnitzte Holzlichtleisten mit den klassischen Glühbirnen.

1983 erhielt Fredi Neufeld sogar eine Zulassung in Stuttgart auf dem Cannstatter Was´n – die Parallelveranstaltung quasi zum Münchner Oktoberfest.

Die Modernisierung geht weiter. 1989 hat das alte Kassenhaus ausgedient und wird durch einen neuen Kassenwagen mit Ritterburgfront ersetzt.

1992 zieht das Märchenkarussell dann vom zweitgrößten Volksfest, dem Bad Cannstatter Was´n auf das größte und berühmteste Volksfest der Welt, das Münchner Oktoberfest um.

Seit 1999 im Besitz von Janet & Michael Schottenloher

1999 kam krankheitsbedingt dann für Fredi Neufeld der Abschied seines Märchenkarussells und er veräußerte es an seine heutigen Besitzer Janet & Michael Schottenloher aus Nürnberg. Die stolzen Besitzer bauten dann das Märchenkarussell zum ersten Mal auf dem „Nürnberger Wintermärchen“, anlässlich des bevorstehenden „Millenniums“ auf dem Hauptmarkt auf.

2000: Auszeichnung am Karussellfestival in Holland

Dann folgte ein großer Triumph-Zug in seiner bisherigen Märchenkarussell-Laufbahn: im Jahre 2000 hatte die IAAPA (International Association of Amusement Parks and Attractions), das ist eine große Schaustellerorganisation, welche weltweit tätig ist zum „International year oft he carousell“ ausgerufen. Aus diesem Anlass beschloss der holländische Freizeitpark „De Efteling“ (nähe Tilburg), ebenfalls Mitglied der IAAPA, im Oktober 2000 ein Karussellfestival zu organisieren wozu die schönsten Karussells aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien und England eingeladen werden sollten.

Insgesamt waren 10 dieser originellen Unikate in Efteling zu bewundern – darunter auch das Märchenkarussell von Janet & Michael Schottenloher. Es wurde sogar aufgrund seiner vielen, verschiedenen, handgeschnitzten Tiere (also auch seiner Artenvielfalt) ausgezeichnet was das Besitzerehepaar besonders stolz machte.

Schmuckstück heuer in Straubing

Unter anderem dreht heute der Klassiker auch immer wieder seine Runden auf dem Regensburger Christkindlmarkt, sowie auf diversen Veranstaltungen in der Nürnberger Region.

Zum 200. Jubiläumsgäubodenvolksfest 2012 kehrt das Märchenkarussell wieder zurück auf den Traditionsteil des Gäubodenvolksfestes und man darf hoffen, es wieder öfter in Straubing anzutreffen, auch wenn es hier nicht mehr beheimatet ist. Ein Schmuckstück ist es auf jeden Fall und Janet & Michael Schottenloher würden sich auf einen Besuch freuen.

Wir wünschen der Familie Schottenloher weiterhin viel Erfolg und viele Veranstaltungen in der Region!

Textvorgaben: Michael Schottenloher, Text: Thomas Schmid, Fotos: Bild - Archiv: Schottenloher, teilweise digitalisiert durch FotoComp, Straubing und Thomas Schmid
Artikel: Stamd Juli 2012