Schausteller im Winterquartier

Knapp 10 Monate gibt es in Deutschland Kirmes- und Volksfestveranstaltungen, sowie Dulten und Weihnachtsmärkte, die von über 6.000 Schaustellern im Bundesgebiet beschickt werden. Was aber passiert in den restlichen Monaten des Jahres? In der Winterzeit? Nach den Weihnachtsmärkten? Was machen die Schausteller in dieser Zeit? Sind sie da im Urlaub? Wo verbringen sie da ihre Zeit?

Wir sind der Frage einmal nachgegangen was Schausteller in der „volkfestfreien Zeit“ so machen.

Natürlich ist es so, dass sich Schausteller auch mal eine kleine Auszeit gönnen, oder ein paar Tage Urlaub machen, aber nach Beendigung der Kirmes-Saison im Oktober/November sind viele Schausteller auch noch auf diversen Weihnachtsmärkten anzutreffen die bundesweit abgehalten werden. Aber was geschieht nach Weihnachten?
Nun für einen Schausteller bedeutet die volksfestarme  Zeit nicht gleich Untätigkeit. Gerade in den Wintermonaten gibt es sehr viel zu tun.

Jährlich neu bewerben

Eine Haupttätigkeit sind Bewerbungen für Volksfeste in Deutschland zu verfassen, denn jeder Schausteller muss sich mit jedem seiner Geschäfte jedes Jahr für jedes Volksfest erneut bewerben und hoffen von der jeweiligen Stadtverwaltung, Gemeinde oder Kommune wieder zugelassen zu werden und einen Vertrag zu bekommen. „Mehr-Jahres-Verträge“ gibt es nicht und somit beginnt in jedem Herbst die „Bewerbungs-Maschinerie“ von neuem.

Überholen, Reparieren und Verschönern der Fahrgeschäfte

Weitere Haupttätigkeiten sind das Überholen, Reparieren und Verschönern ihrer Geschäfte. Zum Teil werden Teile, Fronten und Unterbauten neu bemalt, gestrichen, oder lackiert, es müssen Schweißarbeiten durchgeführt werden, oder es werden zum Teil sogar Geschäfte komplett oder zum Teil umgebaut, nachgebessert oder – wie aktuell – neuen TÜV–Vorschriften angepasst um die Sicherheit der Fahrgäste stets gewährleisten zu können. Dies nimmt in der Regel sehr viel Zeit in Anspruch und ist auch mit enormen Kosten verbunden.

Aber auch Zugmaschinen/LKW´s werden überholt, beim TÜV vorgefahren, wieder auf Vordermann gebracht, gereinigt und gepflegt.

Besuch bei Familie Goetzke im Winterlager

Offene Rolle mit Dekorationselementen + 2 Kassen

In der diesjährigen Winterpause durften wir einmal die Familie Goetzke in ihrem Lager besuchen und ihnen ein wenig über die Schultern schauen. Die Familie Goetzke besitzt seit letztem Herbst einen 80 Meter hohen Freifallturm namens „Sky Fall“, mit dem sie auf dem Oktoberfest 2013 Weltpremiere feierten (>>> siehe Bericht) und anschließend noch den Hamburger Winterdom beschickten. Danach ging es ins heimatliche Lager nach Niederbayern.

Was aber gibt es nun an einem neuen Karussell zu machen?

Teile des 80 Metern hohen Sky Falls

Nun aktuell beschäftigt sich Michael Goetzke mit Sohn Stefan und der „Sky Fall – Crew“ mit dem Umladen der Transporte, denn seitens der Herstellerfirma wurde das Verladen der Turmsegmente, Dekoelemente und der restlichen Teile nicht so umgesetzt wie man es gerne gehabt hätte. Um die Transporte zu miniminieren (die Transportkosten sind immens gestiegen und so ist es sehr wichtig immer mit so wenigen Anhängern und LKW´s unterwegs zu sein wie es geht) werden gerade wichtige Teile wie das Podium, die Treppenauf- und abgänge, Dekoteile, Kassen und Fahrstand umgeladen, so dass man die Gesamtzahl der Transporte verringert.

Dekoteile auf einem Gestell in der Lagerhalle

Dazu ist es nötig z. B. neue sogenannte „Gestelle“ zu konstruieren und zu schweißen, damit Podiumsbleche und Schwerlastböden besser gestapelt und auf möglichst wenig Anhängern oder Sattelaufliegern, in Fachkreisen spricht man von offenen oder geschlossenen Rollen, verladen werden zu können.

Zugmaschinen

Auch der sogenannte Mittelbau, auf denen der Sky Fall aufgebaut wird, werden genutzt um Teile darauf verladen und um so jeden cm der Flächen nutzen zu können. Michael Goetzke verbringt damit viele Tage um ein Optimum zu erreichen und um alle Teile des 80 Metern hohen Turmes bestmöglich verstauen zu können.

Hinten: Teile des Turms, vorne "offene Rolle"

Dazu benötigt werden auch „offene Rollen“, also sprich die Anhänger, die ebenfalls von der Goetzke-Crew für die Verhältnisse des Sky Fall umgebaut und neu lackiert werden, damit ein einheitliches Firmen-Erscheinungsbild entsteht.

Der Sky Fall wird seine Tour 2014 in Paris starten und unter anderem auch heuer auf dem Straubinger Gäubodenvolksfest als Top-Neuheit gastieren. Dort werden wir dann auch genauer über Transporte, das Aufbauen und den Betrieb des Sky Fall´s in Bild und Videos, sowie in Interviews berichten.

Was geschieht bei Laufgeschäften und Imbissbetrieben?

Was gehört aber nun noch zu den Wintertätigkeiten eines Schaustellers? Nun neben Bewerbungen schreiben und die Geschäfte auf Vordermann zu bringen werden z. B. in Laufgeschäften neue Effekte probiert und eingebaut, bei Imbissbetrieben neue, z. B. vom TÜV vorgeschriebene Gas- oder Wasserleitungen verlegt, neue Geräte eingebaut oder bereits vorhandene Geräte gewartet oder es werden auch Fassaden neu gestaltet oder gestrichen.

Sicherheitsaspekte

Bei Fahrgeschäften gibt es unter anderem auch noch die sogenannten 6- oder 12-Jahres-Prüfungen, bei denen die Karussells komplett zerlegt und überprüft werden. Nach TÜV-Vorgaben sind die Geschäfte dann in den aktuell neuesten Zustand zu versetzten um eine bestmögliche Sicherheit aller Fahrgäste gewährleisten zu können.

Auf den Plätzen selbst gibt es dann vor jedem Festbeginn eine Abnahme durch die örtlichen Baubehörden oder der Bauämter bei den dann die Karussells, in Fachkreisen spricht man dann von sogenannten „Fliegenden Bauten“ abgenommen werden – und einen Stempel erhalten um das Karussell betreiben zu dürfen. Einmal im Jahr erfolgt dann immer eine Hauptabnahme durch den TÜV, wie z. B. auf dem Münchner Oktoberfest oder dem Bad Cannstädter Was´n.

Mobiles Wohnen

Aber auch die fahrbaren „Behausungen“ der Schausteller, sprich Wohnwagen und Campings, sowie die Mannschaftswagen des Personals werden in den Wintermonaten überprüft, generalüberholt und gereinigt.

In den Winterquartieren wird also immer stets fleißig geschraubt, gebohrt, geflext, geschweißt, gepinselt und gemalt um alle Karussells, Laufgeschäfte, Schießbuden, Imbissbetriebe und Spielgeschäfte dem Besucher in der neuen Saison wieder in einem Top-Zustand präsentieren zu können.

Text und Bilder: Thomas Schmid
Bilder 1-3: MEV

Wir bedanken uns bei der Familie Goetzke für ihre Unterstützung und das wir mal einen Blick ins Lager werfen durften.