Der Toboggan - heuer in Straubing

Er ist wohl noch eines der aufwendigsten und arbeitsintensivsten Geschäfte auf der Reise. Die Rede ist von der Nostalgie-Rutschbahn „Toboggan“ von William Fischer aus Duisburg, welcher heuer zum ersten und auch hoffentlich nicht zum letzten Mal auf dem Straubinger Gäubodenvolksfest gastieren wird. Zu finden ist der Klassiker auf dem Traditionsteil des Gäubodenvolksfestes.

„Am Toboggan ist noch fast alles Original“, so der Besitzer William Fischer (Bild mitte mit Gattin links) beim Interview mit Thomas Schmid (rechts). Der Toboggan besteht nach wie vor 80% aus Holz und darauf ist Fischer besonders stolz. Lediglich ein paar Treppenstufen aus Stahlblech ergänzen den mittlerweile über 100jährigen Veteran.

1907 erbaut

Gebaut wurde der Toboggan 1907 vom Badener Schausteller Franz Anton Bausch bei der Firma Mack in Waldkirch.
Das Geschäft selbst ist
- 24 Meter hoch
- 31 Meter lang und
- 12 Meter tief.
Transportiert wird es auf 4 LKW-Aufliegern.
Gastiert hat der Toboggan schon auf namhaften Veranstaltungen wie dem Oldenburger Krammarkt, den Nürnberger Festen, Schweinfurt, Rosenheim und auch Düsseldorf. Von dort wird der Toboggan auch heuer zu Straubinger Gäubodenvolksfest umsetzen.


Drei Belustigungsarten ...

Anfang des 20. Jahrhunderts tauchte in Europa (wohl zuerst in Paris) ein neuartiges Fahrgeschäft auf. Insgesamt beinhaltete dieser Fahrgeschäftstyp 3 Arten von Belustigung. Zum einen wurde der Fahrgast auf einem Laufband auf die nächst höhere Etage gezogen, was sich aber bei den meisten Besuchern als schwierig erwies, denn das Band lief so schnell, dass viele Fahrgäste rücklings wieder hinunterpurzelten da es auch keinerlei Festhaltemöglichkeiten gab. Ironischer Weise waren es die Frauen welche der Schadenfreude der Männer ausgesetzt waren, da sie zur damaligen Zeit überwiegend Röcke trugen und so ergaben sich immer wieder lustige und manchmal auch peinliche Situationen. Die Personen die dann mit viel Glück und Geschick doch oben angekommen sind, konnten einen schönen Ausblick über den jeweiligen Festplatz genießen, welches Attraktion Nummer 2 war. Die 3 Art der Belustigung bot dann die hölzerne, geschwungene Rutschbahn auf der man mittels Sackleinefetzen oder Teppichen, heute sind es gleitfähige Sisalteppiche, hinab rutschen konnte.

Heutzutage gibt es nur noch zwei Tobbogans

Vermutlich stammt die Art des Belustigungsgeschäftes wohl aus Nordamerika und 1907 führte Franz Anton Bausch dann diese Anlage auch in Deutschland ein. Ein Jahr später buhlten dann bereits 3 Geschäfte dieser Art auf dem berühmten Münchner Oktoberfest um seine Gäste. Neben dem einzig reisenden Toboggan von William Fischer gibt es nur noch eine Anlage dieser Art, nämlich den bekannten Toboggan vom Münchner Oktoberfest, welchen die Familie Konrad dort betreibt. Dieser Toboggan wird allerdings nur noch zur Wies´n aufgebaut.

Fischer's Tobbogan ist bundesweit unterwegs

Anders dagegen der Toboggan von Familie Fischer. Dieser reist bundesweit auf guten und namhaften Veranstaltungen. An dieser Stelle sei der Familie Fischer hier auch einmal ein großes Lob ausgesprochen, denn diesen Klassiker noch mehrmals im Jahr auf- und abzubauen und ihn durch die Lande zu transportieren bedarf schon viel Enthusiasmus und Liebe zum Geschäft! Und genau diese Liebe spürt man auch bei William Fischer, wenn er mit glänzenden Augen von seinem Toboggan erzählt! Er selbst ist es auch der alle Schäden am Geschäft selbst mit seinen Angestellten behebt, Teile immer wieder auswechselt und erneuert – und das fast auf jedem Platz und vor jedem Aufbau! Bei hunderten von Gästen am Tag wird der Toboggan natürlich ordentlich strapaziert, „doch mit seiner gesunden Portion an Idealismus sei der Toboggan mit viel Aufwand und Liebe zum Detail sicher noch viele Jahre zu erhalten“, so William Fischer bei unserem Gespräch.

Rund um's Förderband

Ein Hauptteil des Toboggans ist wohl der Transmissionsriemen welcher das 52 Meter lange Förderband bewegt. Früher aus reinem Leder, besteht dieser Riemen heute aus Leinengewebe. Eine zusätzliche Arbeitserleichterung erhielt der Toboggan bereits vor Jahren: einen Aufzug, der die Teppiche für die Rutschpartien nach oben transportiert. In frühere Jahren musste entweder das Personal diese aufwendige und körperliche Arbeit verrichten, oder Kinder aus dem Dorf oder der jeweiligen Stadt die dafür jedoch immer kostenlos rutschen durften.

Kollegen

Wie bereits erwähnt war Erstbesitzer dieser Anlage Franz Anton Bausch. Später übernahm ihn dann der Münchner Schausteller Rudi Bausch, der seit vielen Jahren mit Top-Fahrgeschäfts-Attraktionen wie dem „Pirat“, „Traumschiff“ „Ranger“ (Looping Star) und seit 1991 mit dem beliebten „Top Spin“ (siehe dazu Bericht „20 Jahre Top Spin in Straubing“) auf dem Gäubodenvolksfest zu Gast ist.

Straubinger Tobbogan G'schichten

Zur Straubinger Geschichte war es dann wohl so, dass der Toboggan nachweislich 1910 zum ersten Mal auf dem Volksfest stand. Da die Toboggan-Anlagen recht gut beim Publikum ankamen versuchten natürlich auch andere Kollegen auf den Zug „Toboggan“ mitaufzuspringen. 1955 kam es dann wohl zu einem Eklat zwischen Toboggan – Betreibern, denn auch der Straubinger Schausteller Xaver Stranninger ließ sich nun ein solches Geschäft in seiner Heimatstadt bauen. Auch gab er damit in Straubing ein, bewarb sich also damit, doch der Festausschuss erteilte Franz Anton Bausch den Zuschlag. Das sich Stranninger natürlich dann beschwerte war klar. Einen Straubinger in Straubing nicht zulassen? Das geht ja schon einmal gar nicht. Dann folgte die Ironie dieses „Vorgangs“. Bausch sagte ab, Stranninger konnte nachrücken. Da der aber mit dem zugewiesenen Standplatz nicht zufrieden war (er wollte den ehemaligen Bausch-Platz) trat Stranninger ebenfalls vom Vertrag zurück. Weitere Ironie: dem als dritter Bewerber genannte Heinz Rühle wurde bereits im Vorfeld des Festes abgesagt! Somit stand also 1955 kein Toboggan auf dem Fest – auch nicht mehr die Jahre danach!

Seit 1954 ist der größte reisende Tobbogan erstmals wieder in Straubing

Somit ist also das Jubiläumsvolksfest – seit 1954 – wieder das erste Fest mit Toboggan und mit dem Exemplar der Familie Fischer kehrt somit auch ein besonders gepflegtes und optisch herausragendes Geschäft nach Straubing zurück! Der Toboggan von Fischers ist der größte, je erbaute und reisende Toboggan den es je gab. Lediglich das Turmsegment soll laut Aussage von William Fischer früher noch höher und opulenter gewesen sein, welches aber dann wohl aufgrund des Aufwandes später zurückgebaut, sprich etwas verkürzt wurde. Für den Aufbau nimmt sich William Fischer gerne mal 4 – 5 Tage Zeit um diverse Teile immer wieder zu erneuern. „Es geht aber auch schneller“ meint Fischer, „aber das ist dann schon wirklich stressig bei dem Apparat!“ In der Regel wird der Toboggan mit durchschnittlich 3 Mann Personal auf- und abgebaut, sowie umgesetzt.

Haben Sie einfach Spaß! Beim Rutschen und beim Zuschauen!

Wir vom Internetportal www.volksfest-straubing.de legen Ihnen den Toboggan sehr ans Herz! Schauen Sie doch mal vorbei auf dem Nostalgieteil des Gäubodenvolksfestes bei der Familie Fischer. Der Toboggan bietet Spaß für Jung und Alt – egal ob Sie nun Live dabei sind, oder einfach nur dem lustigen Treiben auf dem Förderband zusehen möchten! Gaudi ist auf jeden Fall garantiert!

Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz besonders bei Tina und William Fischer die für das Interview extra nach Straubing gekommen sind, für die vielen Informationen und das informative Gespräch!

Text: Thomas Schmid,
Fotos: Archiv Fischer sowie Prospektmaterial