5er Looping - Spaß, Rekorde, Historie der Looping-Achterbahnen in Deutschland

Auch heuer wollen wir Ihnen - passend zu unserem Bericht "1993 - 2018 Das Gäubodenvolksfest vor 25 Jahren" wieder eine Sensation von damals vorstellen: Den „5er-Looping“, der größten, transportablen Achterbahn der Welt! Besitzer dieses Giganten damals wie auch heute ist die Rudolf Barth & Sohn KG (auch unterwegs mit einigen anderen Anlagen, sowie Besitzer des „Taunus Wunderland“ - im Herzen Hessens - aus Bonn.

Letztes Jahr widmeten wir dem "Traumschiff" der Familien Bausch und Menzel, der wohl größten Schiffschaukel aller Zeiten, unseren Sonderbericht.

Die Jagd nach Rekorden – Historie der Looping-Achterbahnen in Deutschland durch die Firma Schwarzkopf

1978 präsentierten die Schausteller Oscar Bruch und Fritz Kinzler die erste transportable Achterbahn mit Looping in Deutschland. Der „Looping Star“ war seinerzeit ein echtes Novum auf den deutschen Festplätzen und der Startschuss für die Jagd nach immer mehr Überschlägen. Nachdem ein Looping natürlich nicht ausreichte, wurden daraus schnell zwei, drei und letztendlich sogar vier Loopings in einer Achterbahn. Der „Thriller“ von Oscar Bruch war 1986 geboren. Möglich gemacht wurde dies damals durch die deutsche Achterbahnschmiede rund um Anton Schwarzkopf. Während dieser die Stahlgiganten fabrizierte, sorgte Werner Stengel für die nötigen Berechnungen zur Streckenführung.



1984 präsentierte dann auch der Bonner Schausteller Rudolf Barth wieder eine Schienenbahn, den „Dreier Looping“, welche zur damaligen Zeit mit 3 Überschlägen die meisten in einer transportablen Achterbahn aufweisen konnte (bis der „Thriller“ kam).

Aber auch das war noch nicht genug und man plante Anfang des Jahres 1985, wieder in Zusammenarbeit mit der Firma Schwarzkopf, das nächste Großprojekt - eine neue, noch größere Achterbahn, mit sage und schreibe fünf Loopings als Vorgabe. Und es entstand daraus der bis heute bekannte „5er Looping“ oder auch „Olympia Looping“, wie er oft genannt wird. Grund dafür ist übrigens die Anordnung sowie Farbgebung der 5 Loopings bei der Frontansicht, welche an die 5 olympischen Ringe erinnern sollen.

Schwarzkopf – eine „Achterbahn – Dynastie“

Offiziell gebaut wurde die Bahn von der Firma BHS (Bayrische Hüttenstahl) in Peißenberg, was vielleicht nicht jedem auf Anhieb etwas sagt. Grund dafür war der vorangegangene Konkurs der Firma Schwarzkopf, wegen des zu großen Wettbewerbs mit der amerikanischen Konkurrenz. Trotzdem waren sowohl Anton Schwarzkopf mit seinem damals neu-gegründetem Konstruktionsbüro als auch Werner Stengel wieder maßgeblich an der Bahn beteiligt, weshalb man wirklich noch von einer echten „Schwarzkopf-Anlage“ sprechen kann.

Kleine Info am Rande:

Für Achterbahn-Fans sind Schwarzkopf Achterbahnen noch immer etwas ganz besonderes!

Vor allem durch das Alter unterscheidet sich das Fahrgefühl einer solchen Achterbahn durchaus zu heutigen, modernen Anlagen.

Alleine der „Sound“, wenn eine Schwarzkopf Achterbahn durch ihren Vertikallooping saust, lässt Liebhaber ins Schwärmen geraten.


Leider sind aber nicht mehr viele Bahnen dieses Herstellers zu finden, was wohl einfach dem Alter geschuldet ist.

Erst vor 2 Jahren schloss bei unseren Nachbarn wieder eine Schwarzkopf Anlage. „Thunder Loop“ im holländischen Freizeitpark „Slagharen“ drehte am 2. Oktober 2016 seine letzten Runden und wurde zum Bedauern seiner Fans anschließend mit einer großen Zeremonie, bei der auch etliche Fans der Bahn anwesend waren, geschlossen, demontiert und durch eine neue Bahn („Gold Rush“ – Firma Gerstlauer) ersetzt.

In Deutschland sind wir zum Glück noch immer im Besitz einer stationären Schwarzkopf-Looping-Anlage. Wer also nochmal die Gelegenheit bekommen möchte, in den Genuss der ersten stationären Achterbahn mit Vertikallooping in Deutschland zu kommen, der sollte mal den Weg in den Norden der Republik wagen. Denn im Hansa-Park an der Nordsee steht auch heute noch, die aus dem Jahre 1980 stammende Stahlachterbahn „Nessie“. Eine echte Seltenheit mittlerweile und nach wie vor beliebt bei „Coaster-Junkies“.

Deutschlands erste, stationäre Achterbahn mit Vertikallooping „Nessie“ (Schwarzkopf); gekreuzt vom „Rasenden Roland“ (Vekoma)
„Nessie – Superrollercoaster“ (Schwarzkopf)
Gesamtansicht „Nessie“ im Hansapark
Looping-Star „Thunder Loop“ im niederländischen Attractiepark Slagharen
Ehemaliger Achterbahnzug von „Thunder Loop“

Der vorletzte noch laufende Schwarzkopf „Looping-Star“ in Europa vor seiner Schließung 2016; „Thunder Loop“ im niederländischen Attractiepark Slagharen“

Im transportablen Bereich dagegen steht der „Olympia Looping“ noch nicht ganz alleine da. Neben der ebenfalls sehr großen und familienfreundlicheren „Alpina-Bahn“ von Oscar Bruch, welche man zuletzt 2011 in Straubing fahren konnte, reisen auch noch 2 weitere Schwarzkopf Achterbahnen des Modelltyps „Wildcat“ durch Deutschland, welche nochmal knapp 20 Jahre mehr auf dem Buckel haben. Der „Rock & Roller Coaster“, den der ein oder andere vielleicht sogar aus dem historischen Bereich in Straubing kennt, bekam letztes Jahr nochmal Zuwachs vom neugestalteten „Alpen-Coaster“ (ehemals Lulu Herhaus und jetzt beide unter Vorlop). Somit ist Schwarzkopf durchaus noch gut vertreten auf den deutschen Kirmesplätzen.

Premiere auf dem Münchner Oktoberfest 1989

Passend zum Oktoberfest 1989 feierte schließlich die erste, sowie größte transportable Achterbahn mit Fünffachlooping eine gelungene Premiere in München. Die schieren Ausmaße der Bahn zur damaligen Zeit, machten die Anlage zu etwas besonderem, weshalb sie damals schon sofort zu den beliebtesten Attraktionen der „Wiesn“ zählte. Das hat sich im Übrigen auch nicht wirklich im Laufe der Zeit geändert, denn auch heute noch gehört der „Olympia Looping“, welcher in den ganzen Jahren nichts an Beliebtheit bei den Besuchern einbüßen musste, einfach zum Oktoberfest dazu!

Zahlen – Daten – Fakten

Diese Beliebtheit konnte er in Straubing leider schon lange nicht mehr unter Beweis stellen, stand er hier zuletzt vor 13 Jahren. Nach der Sensation „Dreier Looping“ in Straubing, stellte der „Olympia Looping“ dessen Rekord nach nur einem Jahr als größte Neuheit wieder ein, welche je am Gäubodenvolksfest aufgebaut wurde.

Mit einer Grundfläche von gigantischen 86 x 38 Metern füllt die Bahn nämlich sogar fast ein ganzes Fußballfeld aus. Nach einem, von 2 vorhandenen Reibradaufzügen, stürzt man anschließend beim sogenannten „First-Drop“ (der ersten Abfahrt einer Achterbahn) aus 32,5 Metern Höhe steil nach unten, mit integrierter 180 Grad-Wende, wobei der Zug Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h erreicht. Auf den insgesamt 1250 Metern Streckenlänge werden dann auch die fünf Loopings der Achterbahn durchfahren, wobei bis zu unglaubliche 5,2 G (das 5,2-fache des eigenen Körpergewichts) auf den eigenen Körper wirken. Nach einer Gesamtfahrtzeit von 2:20 Minuten befindet man sich schließlich wieder in der Schlussbremse, auf den Weg Richtung Station.

50 Transporte benötigt der Koloss, um seine fast 900 Tonnen von A nach B zu bekommen. Dabei kann man die Anlage entweder mit den firmeneigenen Sattelzugmaschinen umsetzen oder mit der Bahn verladen. Zudem gesellen sich noch 20 Großraum Container, sowie zwei Wohnwägen, zwei Mannschaftscontainer, ein Mannschaftswagen, ein 200t Kran und zwei Stapler dazu, welche ebenfalls mit verfrachtet werden müssen, um die Anlage auf- und abbauen zu können. Mit einer 10-Mann-starken Truppe schafft man dies übrigens in rund einer Woche.

Rekordzeit beim Auf- und Abbau zwischen Düren und Straubing

Rudolf Barth und seine Mannschaft haben es aber auch schon schneller geschafft. Als der „Olympia Looping“ in den 90er Jahren öfter in Straubing gastierte, musste der Stahlgigant oft in 4 Tagen umgesetzt werden, wenn die Bahn z. B. im 650 Kilometer entfernten Düren „spielte“. Die dortige „Annakirmes“ endete am Sonntag und bereits 5 Tage danach musste die „5er“ wieder bereits in Straubing spielbereit aufgebaut stehen! Eine Glanzleistung schlechthin!

Mit einer Sondergenehmigung durfte die Firma Barth in Düren am Sonntag meiste eine Stunde ihre Kassen eher schließen um mit den Vorbereitungen des Abbaus beginnen zu können. Dann wurde es meist hektisch, denn nun galt es den „5er Looping“ binnen einer Nacht und eines Tages abzubauen, Richtung Bahn zu transportieren und ihn dort auf einen Sonderzug der Deutschen Bahn zu verladen, damit dieser pünktlich in der Nacht von Montag auf Dienstag die Reise nach Straubing antreten konnte. In Düren verladen wurden meist ca. 30 Transporte, der Rest wurde dann auf „der Straße“ nach Straubing transportiert.

Meist gegen 7 Uhr morgens war dann der Sonderzug in der Gäubodenstadt angekommen und nun hieß es die Bahn binnen 3 Tagen wieder aufzubauen, da das Fest in Straubing ja bereits am Freitag schon wieder begann! Es ist auch heute noch erstaunlich welche Leistung die Familie Barth da jedes Mal erbrachte um diesen Koloss in so kurzer Zeit so schnell umzusetzen – und das zwischen 2 Orten die über 600 Kilometer auseinander lagen! In Düren baute man die Bahn jedoch meist mit 4 Kränen gleichzeitig ab und auch in Straubing konnte man oft 3 Kräne wieder gleichzeitig zum Aufbauen sehen, da es sonst nicht anders möglich gewesen wäre! Trotzdem ein „Hut ab“ vor so einer Leistung!

Der Rekord beim Abbau der Looping-Bahn lag übrigens bei stolzen 13,5 Stunden! WAHNSINN!

Die Fahrt

Jeder, der diese geniale Achterbahn schon mal gefahren ist weiß, dass keine Beschreibung dieser Welt auch nur ansatzweiße das Fahrgefühl und die Lebensfreude wiedergibt, welche diese Bahn einem vermitteln zu vermag.

Nachdem man in einem der bis zu 20 bzw. 28 Personen (in München und London fahren 7-gliedrige, ansonsten nur 5gliedrige Züge) fassenden Zügen Platz genommen hat, wird man doch recht zügig durch den hydraulischen Reibradaufzug auf die 32 Meter Höhe gezogen. Einen kurzen Augenblick die tolle Aussicht genießen… und schon wird man in die Tiefe gerissen. Dabei fühlen sich die 80 km/h deutlich schneller an, als man glaubt. Nach der ersten Abfahrt steuert man sogleich in den größten Looping hinein, welcher einen nach einer 180 Grad Kurve sofort in die 2 etwas kleineren, direkt aufeinander folgenden Überschläge geleitet. Um genug Geschwindigkeit für den Rest der Fahrt zu bekommen, wird man durch einen kurzen, zweiten Reibradaufzug nochmal ein paar Meter höher gebracht. Anschließend durchfährt man ein sehr kurvenreiches Layout, was einen schließlich noch in die beiden letzten und nun auch sehr kleinen, engeren Loopings führt. Diese zunehmend kleiner werdenden Inversionen (Durchmesser der Loopings 20 Meter, 14 Meter, 12 Meter) steigern dabei auch merklich die Kräfte mit denen man in den Sitz gepresst wird und somit auch die Intensität der Fahrt bis zum Ende hin. In der Schlussbremse stehend realisiert man dann auch endlich, was man gerade erlebt hat und nicht selten überkommt einem dann ein „Nochmal“-Gefühl nach so einer Fahrt.

Wer nun meint, in Freizeitparks findet man aber viel bessere Achterbahnen, der sollte diese Aussage nochmal überdenken. Denn obwohl es in den deutschen Freizeitparks viele, tolle Achterbahnen zu bestaunen gibt, sollte man den „Olympia Looping“ da keineswegs abschreiben.

Mit den 1,2 km Streckenlänge und 5 Inversionen gehört er immer noch zu den längsten und intensivsten Achterbahnen in Deutschland. Und sollte man die Gelegenheit bekommen diese Bahn zu fahren, dann nutzt diese! Wer weiß, wie lange man die noch hat.

Wie geht es wohl weiter?

Wie bereits angedeutet findet man mittlerweile eher noch selten Schwarzkopf-Achterbahnen in Deutschland und Europa. Auch der anfangs erwähnte „Thriller“, sowie die anderen Looping-Bahnen sind schon lange nicht mehr in Europa zuhause. Das Alter zeigt eben zunehmend Probleme auf, Ersatzteile werden benötigt, der Unterhalt im Vergleich zu modernen „Coastern“ wird immer teurer. Rein wirtschaftlich sind die Anlagen nur noch schwer zu halten, was auch der Grund für die meisten Parks war, diese zu ersetzen. Man muss wirklich sagen, dass der „5er Looping“ eine Top gepflegte Achterbahn ist, welche sich nach all den Jahren immer noch toll fährt. Dennoch haben es transportable Anlagen fast noch schwieriger als stationäre, da die Kosten für die Umsetzung ja nicht geringer werden. Spritkosten, Versicherungen, die Umsetzung auf den Autobahnen bei so vielen Transporten. Kosten, welche es zu decken gilt. Und daraus resultieren wieder Preise, welche heutige Volksfest-Besucher leider nicht mehr bereit sind zu zahlen.

Die Zeiten, in denen man die Kult-Achterbahn neben dem Oktoberfest noch in Straubing gesehen hat sind vorbei. Sogar Großveranstaltungen wie die Rheinkirmes in Düsseldorf oder die Cranger Kirmes werden wohl vielleicht in Zukunft auf ein Highlight verzichten müssen. Momentan steht der „Olympia Looping“ – wie bereits 2016 - bis Ende August wieder im Wiener Prater. Danach geht es wie jedes Jahr aufs Oktoberfest, wo man finanziell noch einigermaßen gut mit der Bahn arbeiten kann. Wie es danach allerdings weitergeht, ob man wieder über den Winter in den Londoner Hyde Park übersetzen wird, bleibt vorerst unklar. Genau wie die Zukunft dieser wundervollen Anlage allgemein.

Und somit sollte jeder Achterbahn-Fan oder Volksfestbesucher die Chance nutzen noch mit dieser oder anderen tollen Bahnen zu fahren so lange sie noch auf unseren Plätzen auftauchen oder zumindest noch in erreichbarer Nähe stehen! Wer weiß wie lange wir den genialen Anblick der „Olympia Looping – Bahn“ von Barth auf deutschen Festplätzen noch genießen und auch „spüren“ dürfen! Wir hoffen noch auf eine sehr sehr lange Zeit!

Stand Text: Mai 2018
Text: Fabian Graf und Thomas Schmid
Fotos: Thomas Schmid, Ride-Index, Marino Enger, Archiv Familie Barth, Nathalie Schär und Matthias Wittwer (Meine Achterbahn Welt)