Aug 15 2018

Am Montag war es soweit – die glücklichen Gewinner der Backstage-Tour durften bei schönstem Sonnenschein einen Blick hinter die Kulissen des Volksfestes werfen. Mittlerweile fand die beliebte Backstage-Tour zum sechsten Mal statt. Auch heuer wurden von volksfest-staubing.de dafür wieder 5 Teilnahmekarten für 2 Personen verlost sowie 5 Karten für 2 Personen an die Schnellsten vergeben. Die Teilnehmer der Backstage-Tour bekamen viele Hintergrundinfos von Thomas Schmid und sie durften sich natürlich auch über einige Freifahrten freuen. 

Los gings im historischen Bereich. Neben dem Grillpalast der Familie Haas begrüßte Thomas Schmid die Gäste. Scarlett Haas riet den Teilnehmern der Backstage-Tour die Augen und Ohren offenzuhalten, dann wüssten sie am Ende der Tour, woher die – von manchen als teuer – angesehenen Preise auf einem Volksfest kommen. So ein Familienbetrieb am Volksfest ist „harte Arbeit und nicht nur schöne Glitzerwelt“.

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Marino Enger, ein junger Volksfestfan, ging dann auf die Geschichte des Gäubodenvolksfestes ein. 1812 als landwirtschaftliches Fest gegründet fand es ab 1819 abwechselnd in Straubing und Passau statt. Ab 1890 gab es schon die beliebten Umzüge, später auch ein Feuerwerk. 1837 kam noch Landshut hinzu, das Fest wechselte also zwischen Straubing, Passau und Landshut. Das Angebot am Fest wurde immer größer mit Pferderennen und Zuchtschauen. Seit 1898 findet das Volksfest nur noch in Straubing statt und seit 1962 jährlich und nicht mehr nur alle 2 Jahre. Das Volksfest 1912 fiel mit 11 Tagen Dauerregen ins Wasser. Seit 1949 heißt das Volksfest Gäubodenvolksfest und es kamen auch erste Schausteller für einen Vergnügungspark. Seit dem 200-jährigen Volksfestjubiläum im Jahr 2012 hat das Volksfest einen historischen Bereich.
1898 hatte Straubing 17.000 Einwohner, aber schon 25.000 Volksfest-Besucher. 1962 konnte das 150-jährige Volksfest-Jubiläum mit 100.000 Besuchern gefeiert werden. Heute hat Straubing 47.000 Einwohner und zum Volksfest kommen beeindruckende 1,3 - 1,4 Millionen Besucher.

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Nach diesem Blick in die Vergangenheit richtete Thomas Schmid das Augenmerk der Teilnehmer auf die „hohen Kosten“. Man denkt sich ja oft, eine Fahrt im Riesenrad oder ein Eis seien so teuer, aber man muß halt auch wissen, was alles dahintersteckt. Unser Riesenrad, das ja zum Volksfest fest dazugehört, gibt es nur einmal. Es wurde 1979 gebaut und hat damals 5 Millionen DM gekostet. Würde man es heute bauen wäre man bei Kosten in Höhe von 10 Millionen Euro! Alle 10-15 Jahre muß die Mechanik ausgetauscht werden, was Kosten in Höhe von 500000 Euro verursacht. Auch das Umrüsten auf LEDs war nicht billig, außerdem werden die Standkosten immer höher. Bei uns am Volksfest zahlt man 8000-9000 Euro für den Platz. Auch die Transportkosten (das Riesenrad braucht 40 Transporte) werden immer höher, dazu Lohnkosten, Berufsgenossenschaft, Wasser- und Stromanschluß, usw. Die Schausteller müssen mit einer Mischkalkulation rechnen, damit es sich rechnet bzw. die Kosten gedeckt sind. Allein die Weiterfahrt des Riesenrads von Straubing nach München zur Wiesn kostet ca. 20.000 Euro. Die Schausteller verdienen sich also keine goldene Nase, wie man ja oft meint.

Thomas Clauß vom Flip Fly erzählte, daß dieses Fahrgeschäft 2009 gebaut wurde und 2 Transporte benötigt. Der Aufbau erfolgt auf 2 Tage, der Abbau auf 1 Tag. Das Flip Fly ist eine Überkopfschaukel, bei der 4 g, also 4-fache Erdbeschleunigung auf die Fahrgäste einwirkt. Die verbauten LEDs können 1,8 Millionen Farben wiedergeben.

Bevor es zur ersten Challenge kam, hatte Thomas noch ein paar interessante Zahlen, die verständlich machen, warum ein Eis am Volksfest kostet, was es eben kostet. Die Eismaschinen kommen aus Italien und sind sehr teuer. Eine Maschine kostet 18.000 Euro, bei einem Sonderangebaut auch mal 12.000-14.000 Euro. Nun muß man wissen, daß es 16 Eismaschinen am Volksfest gibt und dazu noch 4 Ersatzmaschinen und so kommt man auf Gesamtkosten von 360.000 Euro.

Bei der Kullerbude der Familie Hansla aus Oldenburg wartete die erste Challenge auf die Teilnehmer. Jeder durfte sein Glück bei diesem Geschicklichkeitsspiel aus Amerika probieren und die 9 Kugeln kullern lassen. Für die Gewinnerin der Challenge gab es eine Medaille und ein Plüschtier. Die Kullerbude ist deutschlandweit unterwegs.

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Im Kaleidoskop von Bern Nier erlebten die Teilnehmer ein Lichtspektakel mit tollen Effekten, einem Wärme- sowie einem Eisraum. Das Kaleidoskop ist das frühere „Psychodelic“ und ohne Grusel oder Horror und somit wirklich für jeden geeignet. Zum Durchgehen bekommt man eine Spektralbrille und dann kann das Erlebnis beginnen.

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Die Freifahrt in der Illusionsschaukel Hexenschaukel ließ sich auch keiner entgehen. Früher wurde die Schaukel noch per Hand bewegt, mittlerweile läuft das natürlich elektronisch. Zum ersten Mal stand eine Hexenschaukel 1894 am Oktoberfest in München. Die Technik der Schaukel ist simpel, aber sie funktioniert. Im Inneren befinden sich schaukelnde Sitzbänke, außenrum dreht sich eine Trommel und so wird das Gehirn verwirrt und die Mitfahrer haben das Gefühl, man würde sich überschlagen. Der Aufbau in Straubing dauert ca. 1 Woche, der Abbau erfolgt auf 2 Tage. Schausteller sein ist kein einfacher Job, sagte Hobbyschausteller Berni Schiedeck. „Das ist kein einfach verdientes Geld mehr.“ Mittlerweile wird die Hexenschaukel erfreulicherweise in Straubing gut angenommen.

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Der Schießstand Foto-Sport-Schießen von Alfons Richter ist ein Schießstand aus den 1970er Jahren. Früher war es noch eine Schießbude und der Aufbau sehr mühsam. Wenn man sich den Schießstand genauer ansieht, bemerkt man, daß er zwar einen romantischen Look hat, aber ganz modern mit LEDs ausgestattet ist. Jedes Jahr wird ein Sicherheitsgutachten gemacht, denn es gibt für alles eine Norm. Natürlich gabs aber nicht nur Infos zum Stand, sondern auch eine Frei-Schießrunde für alle und so ging eigentlich keiner ohne Rose vom Stand weiter.

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Stärken konnte man sich dann bei der Creperie von Isabell Richter, wo auch einer der Teilnehmer sein Talent unter Beweis stellen und einen Crêpe drehen durfte. Isabell Richter erzählte, sie arbeitet am Stand mit 5 Leuten, alle Teige werden immer frisch selbstgemacht mit Bio-Eiern aus der Region. Aber auch für Veganer gibt es mittlerweile einen Teig, denn die Nachfrage nach vegan und glutenfrei ist einfach da. Und auch Isabell Richter machte den Gewinnern der Backstage-Tour deutlich, welche Kosten eigentlich ein Schausteller zu tragen hat. Da fällt so einiges an, unter anderem Personalkosten, TÜV, die Abnahme des Standes, Sprit, Wartung, Berufsgenossenschaft, Versicherungen, Schuldentilgung, usw.

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Es folgte ein kurzer Stop beim Musikexpress, denn auch hier konnten die Teilnehmer eine Gratisrunde fahren.

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Vor dem Infinity hatte Marino einige interessante Infos zu diesem Fahrgeschäft parat. Mit 65 Metern Höhe ist es das höchste mobile Loopingkarussell. Es handelt sich um einen Prototyp, den es nur einmal gibt und kann somit viele Plätze abfahren, da dieses Fahrgeschäft jeder haben möchte. Es ist ohne Kran aufzubauen, die komplette Anlage wiegt 150 Tonnen. Laut TÜV darf pro Fahrt nur 1 Looping gemacht werden, da hier eine Belastung von 5 g auf die Fahrgäste einwirkt. 1,8 Millionen Euro hat das Fahrgeschäft gekostet. Würde man es jetzt bauen käme man auf Kosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro.

Weiter ging es in Richtung Brotzeithäusl von Ingrid Ebenburger, wo sich die Hungrigen etwas zum Essen holen konnten.

Im Vorbeigehen wurde noch ein schneller Blick auf das Lach Freu Haus mit bewegter Fassade geworfen.

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Juniorchef Stefan Goetzke vom Skyfall erzählte den Gewinnern, daß der Skyfall mit 80 Meter Höhe das höchste Fahrgeschäft auf dem Straubinger Volksfest ist. Gebaut wurde der Skyfall im Jahr 2013, er hat 24 Sitzplätze und eine Grundfläche von 23x23 Metern. Für den Transport werden 6 Anhänger benötigt. Aufgebaut werden kann der Skyfall mit einem kleinen Faltkran, was sehr praktisch ist. Der Skyfall hat 1,8 Millionen Euro gekostet. Würde man ihn jetzt bauen, so wie er aktuell aussieht, würde man 2,6 oder 2,7 Millionen Euro dafür bezahlen. Nach diesen beeindruckenden Zahlen wartete noch eine Freifahrt auf die Teilnehmer und die Mutigen wurden mit einem traumhaften Blick auf das Volksfest und die Stadt belohnt.

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Vorletzte Station war die Geister Schlange der Familie Lehmann aus Stuttgart. Für den Transport werden 15 Waggons gebraucht. Aufgebaut ist diese Geisterbahn in 5-6 Tagen, der Abbau dauert 2 Tage. Erst ab 19 Uhr gibt es lebende Geister, da es Familien ohne lebende Geister lieber ist. Es ist eine klassische Geisterbahn, die für die ganze Familie geeignet ist. 260 Meter Fahrtlänge werden auf 3 Minuten abgefahren. Bei einem 10-tägigen Fest muß mit Stromkosten in Höhe von 3000 Euro gerechnet werden. Wer sich gruseln wollte, wurde dann noch zu einer Freifahrt eingeladen.

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Beim Straubinger Bierbrunnen der Familie Goetzke, der heuer 25-jähriges Jubiläum am Volksfest feiert, ließ man nach knapp 4,5 Stunden die Backstage-Tour in gemütlicher Runde ausklingen. Die glücklichen Gewinner werden ab jetzt das Volksfest mit etwas anderen Augen sehen.

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Foto: Die glücklichen Gewinner mit Backstage Tourleiter Thomas Schmid (2.v.r.) und Marino Enger (14.v.l.) sowie Gästen von www.volksfest-straubing.de

Bericht im Straubinger Tagblatt vom 18.08.2018:

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