Aug 18 2017

Für die glücklichen Gewinner der Backstage-Tour war es am Donnerstag soweit. Bei tollem Volksfestwetter fand die mittlerweile 5. Backstage-Tour statt. Es wurden dafür wieder 5 Teilnahmekarten für 2 Personen verlost sowie 5 Karten für 2 Personen an die Schnellsten vergeben. Die Teilnehmer der Backstage-Tour bekamen viele Hintergrundinfos von Thomas Schmid und dem jungen Volksfestfan Marino Enger, sie durften sich über einige Freifahrten freuen und am Ende der Tour fragte sich jeder, wo die Zeit geblieben ist. 5 Stunden können so schnell vergehen…

Los gings im historischen Bereich. Neben dem Grillpalast der Familie Haas erzählte Ehrengast Stadtarchivarin Dr. Dorit-Maria Krenn Geschichtliches über das Volksfest. 2012 wurde 200-jähriges Jubiläum gefeiert. Ursprünglich war das Volksfest ein Landwirtschaftsfest und fand seit 1898 nur alle 2 Jahre abwechselnd in Straubing und Passau statt. Auch dauerte das Fest nur 2 Tage. Der 1. Tag war für die Ausstellung der Tiere, am 2. Tag fand die Viehprämierung statt. Bereits 1812 gab es schon Pferderennen zur Belustigung und seit 1835 gibt es ein Abschlußfeuerwerk. Seit 1898 findet das Volksfest nur noch in Straubing statt und seit 1961 ist das Volksfest jedes Jahr. Das Volksfest zum 100-jährigen Jubiläum 1912 fiel ins Wasser, der Hagen wurde vom Moosmühlbach überschwemmt, sodaß mit Booten über den Festplatz gefahren wurde. Frau Dr. Krenn ließ dann noch alte Fotos durchgehen, die u. a. den Glückshafen (seit 1819), die ersten Autoscooter (1929 „selbstfahrende Rollwäglein“), Buden, Bierhallen usw. zeigten.

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Nach diesem Ausflug in die Vergangenheit ging es für die Teilnehmer der Backstage-Tour wieder in die Gegenwart. Das erste Fahrgeschäft, das Calypso von Hubert Winheim, wartete. Das Calypso mit Baujahr 1960 wird von außen betrieben. Es wird auf 3 Hängern transportiert, muß noch per Hand aufgebaut werden und ist sehr arbeitsintensiv. Allerdings ist es auch verschleißarm und wurde praktisch „für die Ewigkeit gebaut“, wie Herr Winheim erzählte. „Es läuft wie a Glöckerl.“ Das Calypso war das erste Karussell mit Drehbewegungen in 2 Richtungen. Herr Winheim gewährte noch einen Einblick unter das Fahrgeschäft und zeigte die Mechanik, anschließend freute sich jeder über eine Freifahrt.

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Lustig war auch die nächste Freifahrt in der Hexenschaukel, die früher noch per Hand bewegt wurde, mittlerweile aber elektronisch gesteuert wird. Auch die Lichttechnik wurde modernisiert, aber das jetzige Aussehen der Hexenschaukel ist bereits seit ca. 40 Jahren so. Eine Hexenschaukel gab es zum ersten Mal 1894 auf dem Oktoberfest in München. Auch in Straubing etabliert sich die Hexenschaukel, die auf 1 Tiefladehänger transportiert wird, immer mehr, freute sich Hobbyschausteller Berni Schiedeck. Nach 3 Tagen Aufbau und nochmal 3-4 Tagen Renovierungsarbeit ist die Hexenschaukel bereit für Fahrgäste. Schaukelnde Sitzbänke im Inneren und eine drehende Trommel außen verwirren das Gehirn, sodaß man das Gefühl hat, man würde sich überschlagen.

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Vom historischen Bereich ging es dann weiter aufs „moderne Volksfest“. Am Weg zur nächsten Station der Tour passierten die Teilnehmer das Break Dance, das, so erklärte Thomas Schmid, der Nachfolger vom Calypso ist.

Beim Schießstand München von Gabriele Büchl & Alois Bräu durfte bei einer Challenge jeder, der wollte, sein Glück probieren und auf Hasen und Bären schießen. Jeder Schütze bekam, unabhängig von seinen Treffern, 2 Rosen geschenkt. Ali Bräu erklärte, er habe in eine Schaustellerfamilie eingeheiratet, denn seine Frau stammt aus einer Schaustellerfamilie. Am Münchner Oktoberfest ist der Schießstand von Ali Bräu der Promi-Schießstand und wie es unter Schaustellern Tradition ist, hilft auch schon sein Sohn mit, sagte Ali Bräu.

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Das nächste Fahrgeschäft, das Parkour von Andreas Aigner wurde 1996 gebaut und ist einzigartig auf der Welt. Ursprünglich hatte das Fahrgeschäft Überschlagsgondeln, die die Fahrgäste aber nicht vertragen haben. Das Fahrgeschäft wurde außerdem vom TÜV um 40 Prozent in der Geschwindigkeit gedrosselt. Allein der Mittelaufbau wiegt 58 Tonnen. Ab 40 Tonnen braucht meine eine Sondergenehmigung für den Transport. Ein Arm des Fahrgeschäfts wiegt 3-4 Tonnen. Über 10000 LEDs wurden am Fahrgeschäft verbaut, alle 5 Jahre müssen die Gondeln überprüft werden. Die Gondeln wurden schon nach neuester DIN-Norm berechnet (statt 75 Kilo pro Person jetzt 100 Kilo) Würde man das Fahrgeschäft, so wie es jetzt ist, heute neu bauen, würde es 3,7 Millionen Euro kosten!

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Nach so vielen Infos und einigen Freifahrten war es dann Zeit für eine kleine Stärkung in Form von Crêpes oder gratis Getränken. Bei der Creperie von Isabell Richter. Isabell Richter stammt aus einer alten Schaustellerfamilie, die 1972 in Oberpiebing seßhaft wurde. 2002 hat sie sich mit ihrer Creperie selbstständig gemacht und hat bevorzugt örtliche Studenten als Mitarbeiter. Es wird ständig frisch produziert und dabei nur hochwertige Produkte verwendet (z. B. Bioeier aus der Region). Neu ist, daß es nun auch glutenfreie, laktosefreie und vegane Crêpes gibt, da die Nachfrage einfach da ist. Isabell Richter erzählte auch, was so alles an Kosten für einen Schausteller zusammenkommt, denn das bedenkt man als Nicht-Schausteller oft nicht und wundert sich nur über die vermeintlich teuren Preise. Man hat z. B. Platzgeld, Löhne, Stromcheck, Versicherungen, Wartungskosten, usw. zu bezahlen. Ein Teilnehmer durfte am Schluß noch sein Talent unter Beweis stellen und selber einen Crêpe drehen, was ihm gut gelang.

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Frisch gestärkt machte man sich anschließend auf zum Playball von Wolf Clauß. Das Fahrgeschäft ist 30 Jahre alt, wiegt 60 Tonnen und besitzt ca. 15 000 Lämpchen. Es wird mit 4 Transportern transportiert und elektrohydraulisch angetrieben. Auch hier durften die Teilnehmer eine Freifahrt genießen.

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Wer nun richtig Hunger hatte, konnte sich beim Brotzeithäusl von Ingrid Ebenburger zu vergünstigten Preisen etwas kaufen.

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Danach war Gruseln bei einer Freifahrt im Geister Schloss von Irene Kunz angesagt. Seit 1985 gibt es diese 2-Etagen-Geisterbahn, 1986 kam eine mobile Laseranlage hinzu und 1989 eine Beamershow. 1996 wurde das Geister Schloss umgestaltet und 2004 kamen geschlossene Waggons hinzu, seitdem können die Figuren noch näher an die Waggons gebaut werden und auch lebende Geister rumspuken.

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Andreas Pfeffer, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e. V. (BSM) kam dann ebenfalls zum Geister Schloss und erklärte, es wird immer schwieriger, ein Volksfest zu machen. Fahrgeschäfte bedeuten einen riesen Aufwand für den Betreiber. Ein Fahrgeschäft zu kaufen, ist eines der größten Risiken, die man eingehen kann. Ein Fahrgeschäft kostet Millionen und man muß jedes Jahr auf die Zulassung hoffen bzw. man hat keine Sicherheit. Früher konnte ein Fahrgeschäft 40-50 Jahre betrieben werden. Fahrgeschäfte sind eigentlich unzerstörbar. Das Gefährlichste am Volksfest ist die Anfahrt dahin, sagte Herr Pfeffer und appellierte an die Teilnehmer, sich in die Fahrgeschäfte zu setzen und mitzufahren. Es gibt fast nichts Sichereres als ein Fahrgeschäft. „Unsere Schausteller stehen für Qualität und Innovationen.“ sagte Herr Pfeffer. Und auch alte Fahrgeschäfte machen Spaß. Das Generationenverbindende macht ein Volksfest aus. Für jeden ist etwas dabei. Ein Volksfest geht im Internet noch nicht, sagte Andi Pfeffer. Die Plattformen sind dafür da, auf das Fest neugierig zu machen, aber erleben muß man das Volksfest selber. Es verschwinden Volksfeste, Fahrgeschäfte sterben, bedauerte er. Man soll einfach weiterhin fleißig die Volksfeste besuchen und den Schaustellern die Stange halten. Ein Volksfest wird nicht für die Schausteller gemacht, auch nicht für die Stadt oder eine Behörde, sondern für die Leute. „Ihr seid das Allerwichtigste!“ betonte Andi Pfeffer. „Bleibts ma Volksfestfans!“

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Thomas Schmid sorgte noch mit einigen Zahlen für Staunen. Willenborg hatte mal überlegt, ein größeres Riesenrad zu bauen, allerdings würde ein 80 Meter hohes Riesenrad 15 Millionen Euro kosten! Das kann kein Schausteller jemals finanzieren. Eine Softeismaschine von Alfons Feigl kostet 18000 Euro. Herr Feigl hat 16 Maschinen und zusätzlich 4 Ersatzmaschinen – man kann sich also ausrechnen, wieviel Geld da drin steckt. Auch Thomas Schmid appellierte an die Teilnehmer, die Schausteller zu unterstützen und die vermeintlich hohen Preise mal von einer anderen Seite zu sehen.

Mit einem vergünstigten Getränk am Eurotreff-Stand ließ man die Backstage-Tour bei einem Ratsch gemütlich ausklingen.

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Und wer dann immer noch nicht genug hatte, durfte noch eine Freifahrt im Riesenrad und den tollen Ausblick von oben über den Festplatz genießen.

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Die glücklichen Gewinner mit Thomas Schmid (4.v.r.) und Marino Enger (2.v.r.) sowie weiteren Mitarbeitern von www.volksfest-straubing.de

Presseartikel im Straubinger Tagblatt vom 19.08.2017

BackstageTour Presseartikel 2017



Video der volksfest-straubing.de Backstagetour 2017

Thomas Schmid hat auch in 2017 wieder eine informative Backstage-Tour organisiert, in der den Teilnehmern Einblicke in das Schaustellerleben, die Fahrgeschäfte, technische und wirtschaftliche Details gegeben wurden.
Die Einführung übernahm Fr. Dr. Dorit Krenn, Straubinger Stadtarchivarin, die die historische Geschichte des Gäubodenvolksfestes den Besuchern nahe brachte.

Begleitet wurde die Tour von Thomas Schweikl, der dieses Video erstellt hat.


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