Aug 14 2015

Für zehn glückliche Gewinner war es am Donnerstag wieder soweit – die beliebte Backstage-Tour mit Thomas Schmid fand statt und ließ die Teilnehmer ein paar Stunden hinter die Kulissen des Volksfestes schauen. Ein teilnehmendes Paar feierte bei der Backstage-Tour sogar seinen 2. Hochzeitstag und freute sich riesig, dabei sein zu dürfen. Begleitet wurde die Tour von Stadtarchivarin Dr. Dorit-Maria Krenn, die im Historischen Teil gleich zu Beginn ein wenig über die geschichtlichen Hintergründe erzählte.

So wurde das Volksfest 1812 als Landwirtschaftsfest gegründet und fand im 19. Jahrhundert abwechselnd in Straubing und Passau statt. Seit dem Jahr 1898 ist das Volksfest immer nur in Straubing und seit 1961 sogar jährlich und nicht nur alle zwei Jahre, wie in den vorherigen Jahren. Schon immer waren die Straubinger im „Volksfestfieber“ und emotional mit dem Fest verbunden, erzählte Dr. Krenn. Bereits 1812 war der Hagen der Volksfestplatz, so wie jetzt auch.

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Bei der ersten Station, dem Grillpalast der Familie Haas, konnten sich die Teilnehmer mit vergünstigten Getränken stärken – bei der Hitze eine willkommene Erfrischung. Der Grillpalast war früher eine Schaubude, die nun zum Grillpalast umgebaut ist, erfuhren die Teilnehmer. Besonders spannend war ein Blick nach hinten zum restaurierten Wohnwagen der Familie. Dieser Wohnwagen Baujahr 1968 hatte damals schon eine Zentralheizung und war etwas ganz Besonderes. Noch heute ist er in Benutzung und die Familie damit in ganz Europa unterwegs.

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Ein schneller Blick auf die Achterbahn Rock & Roller Coaster, die es in drei Ausführungen gab. Die Achterbahn in Straubing ist die größte, 25 m hoch und wurde 1964 gebaut. Sie stand in Berlin und ist seit 1974 auf Reisen. 2012 wurde die Bahn komplett überholt.

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Der nächste Halt wurde beim Märchenkarussell von Michael Schottenloher eingelegt. Das Grundgerüst des Karussells ist von 1903, der jetzige Zustand von 1966, als es originalgetreu restauriert wurde. Es sei das einzige Karussell mit so vielen verschiedenen Tieren - 25 Tiere in 23 Ausführungen. Nostalgiekarussells boomen jetzt, aber man kann nicht mehr davon leben. Es schauen zwar alle gern zu, aber mitfahren tun nur wenige, so Schottenloher, der einer Vollzeitarbeit nachgeht und nur in Urlaub und Freizeit als Schausteller unterwegs ist. Die Backstage-Tour-Teilnehmer ließen sich eine Fahrt mit dem Märchenkarussell allerdings nicht entgehen und durften sogar auch in das Innere des Karussells gehen.

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Weiter gings vorbei am Flohzirkus, der nach langer Zeit wieder einmal in Straubing ist, aber laut Frau Dr. Krenn war bereits 1898 ein Flohzirkus in Straubing.
Bei der letzten Station im Historischen Teil – der Fahrt ins Paradies von Toni Schleifer durfte wiederum mitgefahren werden. Die Berg- und Talbahn aus dem Jahr 1939 begeisterte alle mit ihren vier Bergen und vier Tälern. Die Bahn befindet sich im Originalzustand und war lange Jahre in einem Schuppen eingelagert. 2003 wurde das Karussell wiederentdeckt und restauriert. Der TÜV habe sehr gut mitgespielt, erzählte Schleifer. Die Drehzahl mußte allerdings begrenzt werden. 8,5 Umdrehungen pro Minuten seien jetzt die Höchstzahl, früher waren es noch 13 Umdrehungen. Auch hier durften die Teilnehmer der Backstage-Tour hinter die Kulissen schauen und den Wasseranlasser begutachten.

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Nachdem man irgendwann wieder aus dem Paradies zurückkommen mußte, machten sich alle auf den Weg zu Stranningers Wellenflug. Der Wellenflieger ist 41 Jahre alt, seit 23 Jahren in Familienbesitz und hauptsächlich in Bayern unterwegs. Es ist das erfolgreichste Karussell, das je gebaut wurde und 160 Mal auf der ganzen Welt vertreten. Ein Wellenflieger steht sogar in einem Park in Shanghai. Der Wellenflug hat ein Gewicht von 42 Tonnen und ist ca. 63 km/h schnell. Der Aufbau mit 4 Mitarbeitern dauert 14 Stunden, der Abbau 7 Stunden. Bis 2018 müssen alle Glühbirnen durch LED-Lichter ersetzt werden. Seit ca. 5 Jahren gibt es ein paar Doppelsitze, die gut für Mutter und Kind sind. Spannend war ein Blick ins Innere des Wellenfliegers, aber auch die der Freiflug wurde sehr gerne angenommen.

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Für den kleinen Hunger gabs bei der Creperie von Isabell Richter einen kostenlosen Crepe nach Wahl und – was den schwitzenden Teilnehmern sehr gelegen kam – sogar ein Freigetränk nach Wahl dazu. Ein Teilnehmer durfte selbst einen Crepe herstellen. Was so einfach aussieht, ist doch etwas schwieriger, als es den Anschein hat, aber nach ein paar Versuchen sah der Crepe gar nicht mal schlecht aus. Isabell Richter sieht es als besondere Auszeichnung beim Volksfest dabei sein zu dürfen. Sie stelle alles selber her und lege großen Wert auf Frische, erzählte sie.

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Ein kurzer Stop bei Pizza Scherrle – nicht alle waren nach dem Crepe noch hungrig, aber ein paar der Teilnehmer nutzten die Gelegenheit und ließen sich ein Stück Pizza schmecken.

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Das zweite Geschäft von Michael Schottenloher, das Tool Time, wurde 2002 in England gebaut und kostete damals 98.000 Euro. Das Geschäft gibt es nur einmal, ist also ein Exotengeschäft. Als Abart von „Hau den Lukas“ gewinnt hier nicht der, der es bis ganz oben schafft, sondern der, der am besten die fünf verschiedenfarbigen Sterne erwischt. Hier ist Gefühl gefragt. Die 1 Euro-Läden mit billigen Plüschtieren machen die Geschäfte kaputt, bedauerte Schottenloher. Die Leute wollen nicht zum Spaß spielen, sondern schauen gleich, was es zu gewinnen gibt. Gibt es keine billigen großen Gewinne, machen viele gar nicht erst mit. Die Backstage-Tour-Teilnehmer machten allerdings gerne bei einer Freirunde mit. Ein paar übernahmen auch kurz die Arbeit im Stand und zählten die Punkte. Bei einem Wettbewerb traten alle gegeneinander an und der Beste durfte sich dann etwas aussuchen – überließ dies aber zwei teilnehmenden Kindern, die sich natürlich sehr darüber gefreut hatten.

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Das Black Out von Sascha Störzer ist noch eine Neuheit. Das Fahrgeschäft gibt es seit letztem Jahr und wird in 8-9 Stunden aufgebaut und in 5-6 Stunden wieder abgebaut. Es wird sehr gut angenommen und ist eins der sichersten Fahrgeschäfte überhaupt. Der Mittelbau wiegt ca. 50-60 Tonnen, ohne Zubehör kostet es etwa 1,8 Millionen Euro. Im fertigen Zustand, so wie man das Fahrgeschäft jetzt sehen kann, ist man bei etwa 2,1 Millionen Euro. Dies erklärt dann auch einen Fahrpreis von 5 Euro, sagte Störzer. Wer sich noch einen Black Out holen wollte, konnte das bei einer Freifahrt tun.

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Andreas Pfeffer, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e. V. (BSM) erzählte etwas über Schausteller und Volksfeste allgemein. So gibt es knapp 5000 Schausteller in Deutschland und die Volksfestkultur in Deutschland, vor allem in Bayern, ist Weltmarktführer. Volksfeste seien das beste Kulturprogramm für alle Bürger, so Pfeffer. Natürlich wird es den Schaustellern nicht immer einfach gemacht – man denke an neue DIN-Normen bei Fahrgeschäften oder den Mindestlohn (hinsichtlich der Arbeitszeiten), aber auch die drohende Autobahnmaut könnte das Herumreisen erschweren. Als kleines Zuckerl gab es für die Teilnehmer gebrannte Mandeln, denn die kann man beim Alpenheisl, dem Stand von Andreas Pfeffer schon viele viele Jahre kaufen, genauso wie die allseits beliebten Lebkuchenherzen.

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Das letzte Fahrgeschäft, das Top Spin, wurde nur noch kurz betrachtet. Es ist 25 Jahre alt und die Grundfläche hat einen Durchmesser von 19 Metern. Die Türme links und rechts sind Wassertanks und enthalten jeweils 27.000 Liter Wasser. Sie sind beweglich, dienen der Standfestigkeit und fangen die Fliehkräfte auf. Der Fahrgastträger wiegt 18 Tonnen, die gesamte Anlage 110 Tonnen. Momentan kostet ein Top Spin etwa 2,2, Millionen Euro.

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Nach einer sehr heißen, aber auch unterhaltsamen und informativen Backstage-Tour ließen sich alle noch ein Abschlußgetränk am Euro Treff schmecken. 

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Video über unsere Backstage-Tour am Gäubodenvolksfest 2015

Thomas Schmid hat heuer zum 3. Mal die Backstage-Tour von www.volksfest-straubing.de organisiert und geführt. Für die geschichtliche Einführung konnte Fr. Dr. Dorit Krenn, die Straubinger Stadtarchivarin gewonnen werden. Sehen Sie an welchen Stationen, Ständen und Fahrgeschäften die Teilnehmergruppe Einblicke und Informationen erhielten.

Video von  The Sesselz - Entertainment From The ♥ of Bavaria


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