Aug 20 2019

Statt der gewohnten Backstage-Tour wurde heuer einmal etwas Neues ausprobiert. Thomas Schmid vom Internetportal www.volksfest-straubing.de hatte für dieses Pilotprojekt Leute eingeladen, die sich in der Volksfest- und Freizeitparkszene sehr engagieren. Eine sehr ausgewählte Gruppe fand sich so am zweiten Volksfestsamstag zum Exklusiven Gäubodenvolksfest-Fan-Tag ein und drehte eine interessante und unterhaltsame Runde auf dem Festplatz. Neben Backstage-Informationen und Kennenlernen von Schaustellern gab es einige lustige Challenges zu meistern, wofür 4 Gruppen gebildet wurden und am Ende war jeder ein Gewinner.

 

Los gings beim Straubinger Bierbrunnen von Hilde Goetzke & ArndBergmann. Hier begrüßte Andreas Pfeffer, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Schausteller die Teilnehmer und sagte, Volksfestfans seien ihm lieber als Politiker, die immer nur salbungsvolle Worte hätten. Die Volksfestfans tun etwas fürs Volksfest. Zu Beginn hatte Andy Pfeffer ein paar „trockene“ Zahlen rund um Volksfeste (und Christkindlmärkte), die aber sehr interessant waren.

So gibt es rund 23.000 fest Beschäftigte auf den Volksfesten. Rund 150 Millionen Menschen besuchen jährlich die deutschen Volksfeste und auf unser Volksfest kommen 1,4 Millionen Besucher. Volksfeste und Christkindlmärkte sind das touristische Tagesziel Nr. 1. Durchschnittlich werden auf den Volksfesten 23 Euro ausgegeben, worüber jeder Volksfestgänger nur müde lächeln kann, denn mit 23 Euro kommt man natürlich nicht weit. Aber es handelt sich ja eben auch nur um den Durchschnitt. 1/3 des Umsatzes wird auf dem Volksfest gemacht und 2/3 außenrum. An einem Volksfest hat noch nie eine Stadt draufgezahlt, denn pro Besucher fallen fast 9 Euro für den kommunalen Haushalt an. „Volksfeste sind ein wichtiger Teil unserer Kultur und Tradition.“ Die Leute wollen ihre Feste und identifizieren sich damit.

Die wirtschaftliche Situation der Schausteller hat sich in den letzten 3 Jahren massiv verschlechtert, u. a. wegen geringeren Umsätzen (Vereine machen ihre eigenen Volksfeste), steigenden Kosten beim Wareneinkauf, gestiegenen Sicherheitsauflagen usw. Auch der Personalmangel kann zum Problem werden. Es wird immer schwieriger, die Geschäfte von A nach B zu bringen. Auch die DIN EN 13814, eine neue Sicherheitsnorm macht den Schaustellern das Leben nicht einfacher. Nach seinen „trockenen“ Zahlen hatte Andi Pfeffer die Teilnehmer noch auf ein Getränk am Bierbrunnen eingeladen.

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Andreas Pfeffer bei der Begrüßung

Carola Schmidbauer, die 2007 das Internetportal www.volksfest-straubing.de ins Leben gerufen hat, begrüßte dann ebenfalls noch die Gäste. Das Internetportal richtet sich ganz nach dem Motto „Weils einfach Spaß macht!“

Während sich jeder sein Getränk schmecken ließ, informierte Thorsten Wenzel, der Geschäftsführer von Alexander Goetzke vom Jules Verne Tower über das Thema Genehmigungen. Dieses Thema wird immer schlimmer. Für Schwertransporte (alles, was schwerer, länger oder breiter ist als die Straßenverkehrsordnung erlaubt) braucht man eine Genehmigung für den TÜV und eine Wegstreckengenehmigung. Ohne dieser Genehmigung darf man nicht fahren bzw. fährt man trotzdem, hat man keinen Versicherungsschutz. 2-4 Wochen dauert es normalerweise, bis so ein Antrag für eine Wegstreckengenehmigung bearbeitet ist. Bei den Behörden fehlen teilweise Leute, die diese Anträge bearbeiten können. „Es wird viel im Hintergrund gearbeitet, damit das Fest überhaupt funktioniert. Der Rattenschwanz, der da dranhängt, wird immer länger.“ 

Nach diesen allgemeinen Infos, ging die Gruppe weiter zum Jules Verne Tower und erfuhr dort noch Details zum Fahrgeschäft an sich. Der 80 Meter-Flieger benötigt 6 Transporte, davon sind 4 genehmigungspflichtig. Wenn bei der Anlage irgendwas ausfällt, schaltet die Anlage ab und die Leute werden per Hand runtergelassen. Die Mitfahrer sind also jederzeit safe. Ein Blick hinter die Kulissen folgte und eine Einladung zu einer Freifahrt, die den ganzen restlichen Tag über gegolten hat.

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Weiter gings zum Wellenflug der Stranninger-Sgraja GbR, wo die 1. Challenge auf die Teilnehmer wartete. Jede Gruppe bestimmte einen „Knotenlöser“, der während der Fahrt im Wellenflug bei der Zugabe Knoten in einer Schnur lösen mußte. Wer die meisten Knoten lösen konnte, bekam die meisten Punkte für seine Gruppe.

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Danach folgte ein Besuch bei der Creperie von Isabell Richter, die sagte, sie stammt aus einer alten Schaustellerfamilie und Schausteller zu sein ist zwar ein harter, aber schöner Beruf. Gute Mitarbeiter sind das A und O, aber es ist nicht mehr so einfach, geeignete Mitarbeiter zu finden. Bei ihr arbeiten viele Studenten, die in den Semesterferien dann auch mitreisen. Vegan und Fairtrade ist immer mehr im Kommen, erklärte sie und auch das Thema Umweltschutz ist sehr wichtig. „Wir bleiben da nicht stehen. Wir sind mit Herzblut bei der Sache und wollen den Gästen das Beste bieten.“ Heuer wars eine schwierige Saison. Bei viel Regen hat man natürlich einen Umsatzrückgang. Ein Rückgang von 50 oder 60 Prozent trifft die Schausteller hart. Es fallen ja alle möglichen Kosten an z. B. für Strom, Wasser, Versicherungen, Personal, Steuerberater usw. Und viele haben auch noch Schulden abzubezahlen. Im Winter werden Bewerbungen für die neue Saison geschrieben. Um auf dem Volksfest zugelassen zu werden, muß man bei einer Punktevergabe genügend Punkte bekommen. Isabell Richter lud am Ende alle Teilnehmer auf einen Crepe ein. Der Zeitnot geschuldet galt diese Einladung ebenfalls noch den ganzen restlichen Tag über, sofern sich die Teilnehmer mit ihrem Aufkleber als Fan-Tag-Leute ausweisen konnten.

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Thomas Schmid (2. von links) und Isabell Richter (mitte) bei den Ausführungen.

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Die nächste Station war das Willenborg Riesenrad.

Juniorchef Sebastian hatte einige interessante Infos zum Riesenrad parat. Es wurde 1979 gebaut, ist 50 Meter hoch und braucht insgesamt 36 Transporte. Es fallen sehr hohe Transportkosten an und es muß auch jedes Jahr gewartet werden.

Es werden nicht viele Plätze im Jahr angefahren. Man versucht, die Fahrpreise moderat zu halten, damit die ganze Familie mitfahren kann.

Über eine halbe Million LEDs sind verbaut. 2 Gondeln sind rollstuhlgerecht. Mit 550 Tonnen ist das Riesenrad sehr schwer, aber auch sehr langlebig.

Nach einem Blick hinter die Kulissen bzw. in den Schaltschrank durften die Teilnehmer bei einer Gratis-Fahrt den Blick von oben auf das Volksfest genießen.

 

 

 

 



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Beim Feuer + Eis von der Barth & Kipp OHG wartete schon Besitzer Roland Barth (momentan jüngster Achterbahnbesitzer Deutschlands) auf die Teilnehmer. 2015 hat er die Achterbahn (Baujahr 1976) von jemand gekauft, alles neu lackiert und generalüberholt. Er ist auch grad dabei, alles an die besagte DIN 13814 anzupassen. Der Zug beschleunigt durch Motoren, kann also, anders als andere Achterbahnen, auch bergauf beschleunigen. 900 Quadratmeter Fläche braucht die Bahn. 10 Transporte sind nötig, 2 davon sind Schwertransporte. Der Zug hat ein Leergewicht von 10 Tonnen, vollbesetzt dann 13 Tonnen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 36 km/h, in den Kurven sinds 50 km/h. Der Aufbau erfolgt in 2-3 Tagen (aber auch 1 Tag ist möglich). Der Rekordabbau liegt bei 8 Stunden. Heuer ist er auf 12 Veranstaltungen.
Nach diesen Infos wurde es wieder ernst, denn die nächste Challenge wartete. Während einer Fahrt im Feuer + Eis mußte eine Kopfrechenaufgabe gelöst werden, die in einem Kuvert auf die Teilnehmer wartete.

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Schlag auf Schlag ging es weiter. Beim Top Spin von Rudi und Peter Bausch folgte schon die nächste Challenge. Die Teilnehmer bekamen einen Becher mit einem Tischtennisball der während der Fahrt im Becher bleiben mußte. Aber damit nicht genug, denn beim 2. Mal Wasserspiel mußte auch noch soviel Wasser wie möglich im Becher gesammelt und bis Fahrtende drinbehalten werden. Nachdem eine Gruppe keinen Freiwilligen für diese Challenge fand, wurde spontan ein „Joker“ aus den normalen Volksfestbesuchern ausgewählt, der sich auf dieses Spiel einließ.

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Einfacher wurde es beim Kugelstechen von Carmo Neigert. Hier mußte man bei der folgenden Challenge einfach das Glück auf seiner Seite haben und bei 13 gestochenen Kugeln soviel Punkte wie möglich ergattern. Für die gestochenen Punkte gab es dann auch noch den jeweiligen Preis.

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Naß wurde es bei der nächsten Challenge, denn in der Wilden Maus vonRenate und Peter Münch mußte ein mit Wasser gefüllter Becher mitgenommen werden. Ziel war es, am Ende der Fahrt noch soviel Wasser wie möglich im Becher zu haben, was mal besser und mal schlechter gelang.

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Wer hat das meiste Wasser zurück gebracht? Ja, es muß schon genau gemessen werden ... hier Carola Schmidbauer bei der Auswertung der "Wilden Maus"-Runde.

Die letzte Challenge wartete dann im Historischen Bereich bei der Geisterhöhle von Franz Zinnecker. Bei einer Fahrt in der Geisterbahn mußten die Teilnehmer die Bildschirme in der Geisterbahn zählen.

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Da am Ende 2 Gruppen die gleiche Punktezahl hatten, kam es noch zum Stechen. Bei 2 Schätzfragen (Anzahl der Riesenrad-Gondeln und Menge des Wassers in den 2 Tanks vom Top Spin) fiel dann die Entscheidung. Aber es brauchte keine Gruppe traurig sein, denn es gab nur Gewinner und keine Verlierer. Gruppe Blau belegte den 4. Platz und bekam je einen Volksfestvorfreude-Kalender. Gruppe Grün mit Platz 3 bekam Volksfest-Caps, Gruppe Rot auf Platz 2 konnte sich über Volksfest-Tassen freuen und die Sieger, Gruppe Gelb mit Platz 1 bekam Straubing-Tassen.

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Nach gut 5 Stunden (unglaublich, aber wahr, die Zeit verging so schnell!) war der Fan-Tag (fast) zu Ende. Wer noch wollte, konnte noch ins Schützenhaus gehen, denn dort waren Plätze reserviert oder man konnte natürlich auch noch gemeinsam übers Volksfest gehen.

Den Teilnehmern hat der 1. Exklusive Gäubodenvolksfest-Fan-Tag jedenfalls sehr gut gefallen!

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Die Teilnehmer des 1. Volksfest-Fan-Tags mit Andreas Pfeffer, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Schausteller (hinten 2.v.l.), Thomas Schmid (hinten, 4.v.l.) und Carola Schmidbauer (hinten 5.v.l.) sowie weiteren Mitarbeitern vom Internetportal www.volksfest-straubing.de

Hier einige weitere Impressionen im Video:

 

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